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ADMIN

Eine irre interessante Story!

Hallo Gabi,

da hast Du – mal wieder! – eine irre Kiste aufgemacht! Geile Wanze, mit noch geilerer Geschichte. Aber der Reihe nach:

Wanzenart

Deine Bestimmung ist korrekt: Bei der Wanze handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Purpur-Fruchtwanze Carpocoris purpureipennis. Eine kleine Restunsicherheit bleibt hinsichtlich der korrekten Bestimmung, weil es eine weitere Art innerhalb der gleichen Gattung gibt (Carpocoris pudicus), die sehr ähnlich ist und die Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Wanzenarten nicht immer eindeutig sind.
Ich ergänze den Namen oben im Bildtitel.

Biologie einer Wirt-Parasit-Beziehung

Nun aber zum Ober-Hammer! Die "zeckenartigen Linsen-Pollen-Samen" sind keine "zeckenartigen Linsen-Pollen-Samen", sondern Eier von Raupenfliegen (Tachinidae). Es gibt verschiedene Raupenfliegenarten, die an Wanzen – und hier sind Carpocoris-Wanzen sehr beliebt – ihre Eier ablegen. Sie heften sie einfach auf die Wanzen drauf. Nach sehr kurzer Zeit ("Deine" Eier auf der Wanze sind also recht frisch!) schlüpfen aus diesen Parasit-Eiern kleine Larven, die in die Wanze eindringen. Dort ernähren sie sich zunächst von lebensunwichtigen Organen, z.B. den Geschlechtsorganen; die sind nicht bei allen Spezies so lebenswichtig wie bei Homo sapiens :-). Im Endstadium fressen die Larven dann auch die lebenswichtigen Organe, sodass die Wanz stirbt.

Im Inneren des toten Wanzenkörpers verpuppen sich die reifen Larven, und meist noch im gleichen Jahr schlüpfen die fertig entwickelten Fliegen, die überwintern. Im Folgejahr beginnt der Kreislauf von vorne.

Das mag wieder einmal auf uns Menschen alles recht grausam wirken. Aber wir bekommen hier einen Einblick in die Vielfalt des Lebens. Unter dem Strich geht es um Leben im Allgemeinen, man kann es auch als Tanz der Moleküle wahrnehmen. Leben kann sich als Mohnblume, als Wanze (Wirt), als Raupenfliege (Parasit) oder auch als Mensch ausdrücken. Der Einzige, der es kompliziert macht, ist der Mensch. Das ist faszinierend … und dramatisch zugleich.

Also, tolle Geschichte, zum Staunen und Nachdenken.
Die von Dir fotografierte Wanze hat gleich zwei Eier erwischt. Mit ihnen trägt sie ihren sicheren Tod auf dem Körper. Aber macht nichts, denn sterben muss und wird sie so oder so.

(Bin mal wieder völlig aus dem Häuschen. Komme gerade von einer Vortragstournee und tanze seit gestern, nachdem ich das hier gesehen habe, vor Freude pausenlos ums Feuer! Leben kann soooo schön sein - grins.) 

GRATULATION zu dieser tollen Geschichte, festgehalten in zwei guten Fotos!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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