Artenfrage zum Schrot-Zangenbock – Bestimmung: Kleiner Zangenbock (Rhagium inquisitor)

 

Hallo Roland!

Ich war die Tage im Wald unterwegs und bin auf den Holzstapeln rumgekrabbelt, um nach Tieren Ausschau zu halten.:-)  Dabei habe ich zuerst diese Raupe und dann den Käfer mit seiner "Puppenwiege" gefunden. Ich habe diesen Käfer vorher noch nie gesehen.

Handelt es sich hierbei um Rhagium mordax, oder  Rhagium inquisitor?

Käfer- Stackversuch mit 8 Bildern - intern verrechnet

Vielleicht kannst du mir hier weiterhelfen.

Liebe Grüße

Gabi

Kommentare

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ADMIN

DAS Oster-Motiv!

Hallo Gabi,

Du liegst sehr gut mit Deiner Bestimmung. Auf jeden Fall handelt es sich um einen Zangenbock, also um einen Bockkäfer der Gattung Rhagium. Es ist wohl eher Rhagium inquisitor, also der Kleine Zangenbock, zu erkennen an den relativ kürzeren Schläfen gegenüber der Augenlänge. Ich ändere dies im Titel entsprechend.

Biologie:

Die Puppenwiegen und auch die Käferlarven findet man fast das ganze Jahr über unter Nadelholzrinden, die sich bereits großflächig vom Baum lösen lassen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bockkäfern verpuppen sich die Zangenböcke zwischen Rinde und Kernholz, also für uns sichtbar, wenn die Rinde abfällt. Fast alle übrigen Arten ziehen spätestens zur Verpuppung ins Kernholz.

Die Puppenwiegen sind schön an den sie umschließenden längeren Rindenfasern zu erkennen und erinnern an ein Nest. Sie werden von der reifen Larve um die Puppenkammer herum gelegt, um Raubinsekten, die zwischen der Rinde und dem Holz (also in der Bastschicht des Baumes) jagen, das Eindringen in die Puppenwiege zu erschweren. Denn dort liegt ja die bewegungsunfähige und völlig wehrlose Zangenbockpuppe, um sich zu verwandeln.

Das zweite Bild zeigt rechts neben der großen Bockkäferlarve noch einen kleinen Borkenkäfer, und zwar den Buchdrucker (Ips typographus). Beide Käferarten teilen sich diesen Lebensraum, wobei der Bockkäfer meist etwas später auftaucht.

Wenn du nochmals eine Zangenbocklarve findest, versuche mal, ein Porträt von ihr zu erstellen, auf dem die mächtigen Kiefernzangen dargeboten werden. Mit ihnen beißen sie sich durch das Holz.
Hierzu musst Du ein Foto exakt von oben auf den Kopf machen, sodass Kopf und Zangen zusammen in der Schärfeebene liegen. Dann hast Du die entscheidenden Körperteile scharf. Also: 60er Makro auf volle Pulle stellen, gegebenenfalls noch einen Zwischenring davor geschraubt, und dann ab die Post.

Und wenn Du nochmals an eine solche Rinde kommst, die locker sitzt, löse sie ganz vorsichtig. Dann hast Du eventuell die Chance, eine Puppe in der Wiege zu finden (Achtung, die fallen leicht raus!) und zu fotografieren. Tja, und dann hast Du ein alternatives Osternest-Bild für das nächste bevorstehende Fest... :-). Kommt bestimmt gut an im Kreise der Verwandten; nicht immer so ein oller, dödliger und insbesondere biologisch höchst unsinniger Hase im Nest!

Wieder mal ein spannender Fund – und dazu noch mit vielen Bildinformationen (Käfer, Larve, Puppenwiege)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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MOD

Guten Morgen, Roland!

Ganz lieben Dank für deine tolle Beschreibung der Lebensweise des Zangenbocks und seiner Raupe.Ich werde versuchen, die Raupe noch einmal besser aufzunehmen. Aber wie du schon schreibst, purzeln die ganz leicht da raus. Das habe ich  auch schon festgestellt! :-) Die Idee mit der alternativen Osterkarte finde ich super! Da mein Ruf im Bekannten- und Familienkreis mittlerweile wegen meiner Makroklatsche sowieso sehr fragwürdig geworden ist, würde das sich gut in das  allgemeine Bild einfügen! :-)) " Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert"-lol

Ich hoffe , du hast gestern im ZDF, 21.45h das heute-journal gesehen. Da kam ein großer Bericht von eurer Aktion und den Auswirkungen in Bayern. Super!

Einen schönen Tag wünscht dir

Gabi

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ADMIN

Heute-Journal-Beitrag zum Volksbegehren Artenschutz

Hier der Link zum oben angesprochenen Heute-Journal vom 20.02.2019 mit den ausführlichen Beitrag zum hohen Ergebnis des Volksbegehrens Artenschutz in Bayern und seinen ersten Auswirkungen (verfügbar und damit anzuschauen bis einschließlich 20.02.2020).

So gut der hohe Stellenwert ist, der diesem Thema seitens der ZDF-Redaktion eingeräumt wird, so kritisch sehe ich die Betrachtung des Themas Artensterben zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Hier wird der Verlust von biologischer Vielfalt ausschließlich vor dem Hintergrund seiner ökonomischen Wertigkeit für den Menschen betrachtet. Genau diese anthropozentrische Sichtweise hat uns dort hingeführt, wo wir heute stehen. Ob sie uns da auch wieder rausführt, bleibt abzuwarten...

Ich glaube nicht!

Liebe Grüße,

Roland

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