Balzflug

Auf einer Waldlichtung konnte ich dieses interessante Sozialverhalten der mittleren Keilfleckschwebfliegen (Eristalis interrupta) beobachten und dokumentieren. Wie in die Luft genagelt schwebt das Männchen längere Zeit (bis zu 1 Minute!) über einem Weibchen, das auf einer Blüte sitzt. Beim Blütenwechsel ist der stolze Flieger natürlich dabei und zeigt so lange seine Flugkünste bis ein Signal von der Dame kommt ;-) Bis zur Paarung wird aber zunächst wirklich fleißig geflogen ;-) Ein wirkliches Spektakel, das ich von anderen Schwebfliegen-Arten so ausgeprägt nicht kenne und mich sehr entzückt hat.

ABM etwa 1:4, APS-C, 1/4000s, f/3,5, ISO1000, Laowa Makro 65mm, 5:4 + 5% Beschnitt

 

Kommentare

Profile picture for user Ingo Heymer
Makronist

Hallo Rob,

sauber auf´s Auge gezielt :-). Und die Hintergrundinfos sind auch sehr interessant. Wer viel guckt, sieht viel. Erst dieses Jahr ist mir aufgefallen, wieviele Schwebfliegenarten es gibt. Gibt es eigentlich ein Buch "Deutschlands Schwebfliegen" - oder woher weißt du, dass es sich um eine "Keilfleckschwebfliege" handelt?

Liebe Grüße

Ingo

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Makronist

Danke Ingo!

Es gibt wirklich einige Schwebfliegen und aufgrund ihrer Flugeigenschaften sind die natürlich für mich sehr interessant ;-). Ein Buch habe ich nicht, aber ich versuche mein bestes, nach den Fotosession Bestimmungen im Netz hinzubekommen. Keilfeckschwebfliegen sind recht gut zu erkennen. Etwas dicker, bienenähnlich und eben mit dem typischem Muster. Die weitere Unterscheidung wird dann schwieriger. Hier spielt beispielsweise eine Rolle, ob die Fühlerborsten gefiedert sind. Aufgrund des eindeutigen Sozialverhaltens war der Fall hier jedoch schnell klar.

Es gibt viel zu Lernen. Ich steh jeden Tag mit Fragezeichen vor so manchem Tier ;-)

Liebe Grüße

Rob

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ADMIN

Hallo Rob,

ein Foto mit einer tollen Dynamik.

Spannend ist die Rechtsorientierung des Hauptmotivs (fliegende Schwebfliege zusammen mit der unter ihr sitzenden), die hier in diesem Foto durch die unscharfe Blüte im Hintergrund am linken Bildrand ausgeglichen wird. Diese Bokeh-Blüte hält beide Schwebfliegen im Bild – obwohl sie zum Bild rausschauen. Sieht sehr gut aus.

Die weißen Blüten sind etwas zu weiß. Versuche mal, die hellen Töne etwas nach unten zu ziehen. Oder hast Du dies bereits gemacht?

Ein schöner "Kurz-Einblick" in das bewegte Leben von Schwebfliegen :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht" 

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

vielen Dank für deine Analyse! Ich freue mich sehr, dass du meine Idee bei der Komposition, direkt siehst und ansprichst. Tatsächlich lasse ich sonst mehr Raum zum Fliegen aber habe schon beim Fotografieren gemerkt, dass ich hier von der Logik abweichen kann. 

Die hellen Töne waren tatsächlich das Problem hier und ich habe bereits etwas darauf reagiert. Das Bild war nur minimal überbelichtet, da aber große Teile der Blüten auch sehr unscharf sind, ergab das schnell einen hellen "Brei" ohne Strukturen. Danke auf jeden Fall für den Tipp! Ich hätte das wohl noch deutlicher absenken sollen. Allerdings wohl nur ein wenig, denn ein "grauer Brei" gefällt mir auch nicht gut. Wie du ja oft ansprichst, darf weiss auch weiss sein. Besser wäre wohl gewesen, die Belichtung gleich im Feld etwas zu drosseln. Bei Flugaufnahmen, habe ich mir angewöhnt, selten zu dunkle Bilder zu erstellen und lieber die Blende weiter öffnen um etwas drüber zu sein. Grund dafür ist, dass ich ja trotz hohen ISO-Werten Details in den Augen auch im Flug zeigen möchte. Die gehen durch Aufhellen + Entrauschen im Nachgang bei bereits hohem ISO-Wert aber schnell flöten. Ich erzähle dir da ja nichts neues ;-) Insbesondere beim Fotografieren von Insekten auf weissen Blüten, hat die Makrofotografie nochmal eine extra Herausforderung parat. Unser Auge hat immer noch den besseren Dynamikumfang ;-)

Falls du noch einen weiteren Tipp für diese spezielle Situation hast würde ich mich sehr freuen.

Schöne Grüße

Rob

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ADMIN

Hallo Rob,

Du schreibst:

"Bei Flugaufnahmen, habe ich mir angewöhnt, selten zu dunkle Bilder zu erstellen und lieber die Blende weiter öffnen um etwas drüber zu sein. "

Generell ist eine Belichtungsabweichung nach unten, also eine kleine Unterbelichtung, besser zu korrigieren als eine Überbelichtung gleicher Stärke. Natürlich gibt´s hier Ausnahmen, aber Details lassen sich beim Aufhellen in aller Regel eher "zurückholen" als umgekehrt. Denn Überbelichtungen führen insbesondere bei hellen Motiven schnell zu Verlusten von Bilddetails. Denn was nicht da ist, kann auch nicht wieder "geholt" werden.

Hier in diesem Bild trifft diese Regel auf die hellen (weißen) Blüten zu. Natürlich soll Weiß weiß sein, aber eben nicht ausgefressen. Dieser Grat ist oft sehr schmal. Und wenn Weiß zu hell abgelichtet wird, passiert beim nach unten korrigieren genau das, was Du oben beschreibst: Dann wird aus Weiß Grau, aber kein fein strukturiertes Weiß. Genau das ist dieser schmale Grat.

Klar, Du musst Dich beim Fotografieren entscheiden, auf welche Motivteile Du die Belichtung ausrichten möchtest. Hast Du ein dunkleres Hauptmotiv – beispielsweise ein Insekt – auf weißen Blüten, entsteht ein echtes Dilemma. Du musst Dich entscheiden – oder eine Goldene Mitte finden :-).
Bei dieser Entscheidung spielen natürlich mehrere andere Faktoren auch eine Rolle: Wie stark ist das Gesamtlicht (bei Sonne kommt Weiß ganz anders als bei Schatten)? Wie groß ist der Anteil der weißen Fläche am Gesamtbild?

Unterm Strich ist es also immer eine Frage des vorliegenden Einzelfalls. Was bleibt ist aber die Tatsache, dass überbelichtetes Weiß in den allermeisten Fällen nicht mehr zu retten ist.

Liebe Grüße 

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

vielen Dank für die differenzierte Betrachtung. Natürlich ist mir bekannt, dass Unterbelichtung leichter rückführbar ist als Überbelichtung. Den Kompromiss im Feld in der Hektik des Geschehens (und bei wechselndem Licht) zu finden stellt für mich sehr oft eine große Hürde dar. Nicht immer kann ich die überspringen ;-) Dazu kommt, dass die Histogramm-Vorschau (aus errechnetem JPEG) in der Kamera nicht alles zeigt und hier tatsächlich auch aus vermeintlicher Überbelichtung Details rückholbar sind. Wie du ja schonmal gesagt hast: Man muss einfach seine Kamera und seinen Sucher und sein Display sehr gut kennen. Hintergrund des (etwas widersinnig) formulierten Ziels einer minimalen Überbelichtung ist, genug Licht auf die meist dunklen Insekten-Augen zu bekommen. Falls sonst im Bild keine weisse oder hellgelbe Blüte anwesend ist, hat dieser Weg kaum negative sichtbare Effekte und so konnte ich am meisten Details bei Flugaufnahmen in den Augen erhalten. Bildrauschen in dunklen Bildbereichen taucht (zumindest bei meinem Sensor) sehr schnell auf und macht die Facetten oft nicht mehr einzeln "durchzählbar". Ich habe wirklich viele Flugaufnahmen gemacht, bei denen eigentlich alles toll war, aber die relevantesten Details (es soll ja Makro sein) einfach nicht mehr sichtbar waren. Die Strategie erhöht etwas die Quote aber bei weissen Blüten sollte ich wohl spätestens vorsichtiger vorgehen.

Nochmal dankeschön für deine Analyse, die mich dazu lernen lässt! Ich versuche wirklich viele Infos über Makrofotografie mir (fast täglich) einzuholen. Mit deinem Zugang und vor allem deiner Kompetenz kann ich wirklich am allermeisten anfangen. Teilweise bekommt man in den sozialen Medien schon auch schaudrige Sachen mit. Bilder mit 10000 Likes und der Schärfe hinter den Augen und niemand schreibt, dass es unscharf ist. Komische Kultur teilweise. Entweder wird etwas fast blind in den Himmel gefeiert oder pauschal abgelehnt/blockiert. Die Graustufen und eine differenzierte Betrachtung werden seltener, in vielen Bereichen. Es ist eine Freude, dass hier so eine tolle Plattform existiert mit einem selten gesehenen Respekt vor der Fotografie, Mutter Natur und der Interaktionskultur ;-)

Liebe Grüße

Rob

 

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