Erinnerung an den Sommer

Ganz schlicht im häuslichen Garten.,,.

Kommentare

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MOD

Hallo Eichhörnchen 48!

Herzlich Willkommen auf Makrotreff. Wie ich sehe hat dich auch das Vintage-Fieber ereilt! :-) Du zeigst uns hier  zum Einstand ein  schönes Sommerbild. Die Farben deiner Blüte und des Hintergrundes sind samt dem Licht sehr ansprechend.Die Schärfe liegt gut  und auch das Verlaufen in die Unschärfe ist dir gut gelungen. Die dunklen Anteile im Bild  sind mir persönlich jedoch zu dunkel und nehmen ein wenig die Leichtigkeit heraus.

Jetzt haben wir neben einem Kater auch noch einen Nager im Forum. Prima! :-)

freut sich

Gabi 

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ADMIN

Hallo Eichhörnchen48,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Das Bild Deiner "Erinnerung an den Sommer" lebt durch seine Formen und das Licht – festgehalten mit dem russischen Helios 44-3. Schauen wir es uns genauer an:

Schärfe

Die Schärfe liegt auf dem vorderen, der Kamera zugewandten Bereich der Lauchblütendolde. Das passt sehr gut.

Licht

Der größte Teil des Hauptmotivs liegt im Schatten, während der Hintergrund weitestgehend angestrahlt ist.

Mit dieser Methode kann man insbesondere bei der Vintage-Fotografie eine tolle Wirkung erzielen. Hierbei sollte dann die Belichtung auf den Schatten des Hauptmotivs ausgerichtet werden. Dies führt in der Regel zu einer leichten Überbelichtung. Dadurch werden die beleuchteten Bereiche des Hintergrunds recht hell und freundlich wiedergegeben.

Dies wirkt insbesondere dann sehr gut, wenn der Helligkeitsunterschied zwischen den hellen und den dunklen Bildbereichen nicht zu stark ist. Beispielsweise zur Mittagszeit ein hoher Sonnenstand führt häufig zu derart heller Bestrahlung, dass der Dynamikumfang eines Sensors überschritten wird.

Dies ist bei Deinem Bild geschehen: Während sich die hellsten Bereiche des Hintergrunds bereits an der Oberkante der Belichtung bewegen, saufen die dunkelsten Bereiche im Bild ab. Die innenliegenden Teile der Blüte und insbesondere der beschattete Bereich im Hintergrund unterhalb der Blüte bilden recht harte schwarze Löcher. Infolge dieser starken Kontraste zwischen den hellen und dunklen Bildbereichen wirkt das Bild insgesamt hart.

Nun kannst Du natürlich das gesamte Bild aufhellen. Dies hat zur Folge, dass das Hauptmotiv "freundlicher", der Hintergrund aber in weiten Teilen überstrahlt wird. Hellst Du partiell nur die dunklen Bereiche des Bildes auf, wird dies rasch auf Kosten der Brillanz gehen. Diese nachträglichen Bearbeitungen stellen also immer Kompromisse dar.

LÖSUNG:
Befinden sich sonnenbeschienene Licht- und Schattenpartien im Bild, achte darauf, dass die Helligkeitsunterschiede nicht zu stark sind. Insbesondere bei flächigen Bestrahlungen (z.B. die beschienenen Blätter im Bildhintergrund) und flächigen Schattenbereichen (z.B. das schwarze Loch unterhalb der Blüte) werden die Ausrisse zu groß und damit schnell unattraktiv.
Demgegenüber bringen im Hintergrund befindliche Spitzlichter (hier im Bild nicht vorhanden) oft die ganz besondere "Würze" – insbesondere bei der Vintage-Makrofotografie. Insbesondere in Verbindung mit der charakteristischen Strukturwiedergabe alter Objektive in den Unschärfebereichen können hier ganz phantastische Wirkungen erzielt werden – womit wir beim nächsten Punkt sind:

Bokeh

Das von Dir eingesetzte Helios 44-3 kann ein recht kräftiges Bokeh "malen"; das ist genau eine seiner besonderen Fähigkeiten. Hierzu müssen jedoch bestimmte Strukturen im Hintergrund vorhanden sein. Es benötigt also bestimmte Voraussetzungen, bestimmte Formen, um daran angreifen und dann seine Klasse zeigen zu können.

Dies ist im Bild oben insbesondere in den Unschärfen der Lauchblüten im rechten oberen Bildbereich zu sehen, dort, wo die Lauchblüten angestrahlt sind. Hier fängt das Helios an zu zaubern, die Strukturen bekommen eine ganz individuelle Charakteristik.

In den übrigen Unschärfebereichen fehlen diese Strukturen, an denen das Helios 44-3 angreifen kann. Hier befinden sich flächige Bereiche unterschiedlicher Farbe und Helligkeit, wie sie in sehr ähnlicher Form auch von modernen Objektiven wiedergegeben werden – mit dem Unterschied, dass diese gleichzeitig das Hauptmotiv schärfer und brillanter darstellen können. Die Ausgangslage im Hintergrund dieser überwiegenden Bildbereiche war also nicht so, dass das Helios speziell seine Fähigkeiten wirkungsvoll zeigen kann. In einem solchen Fall stellt sich immer die Frage, ob dann nicht die Wahl einer modernen Optik die bessere ist.

LÖSUNG:
Bei der Fotografie mit Vintage-Objektiven liegt mindestens ein Fotografenauge immer auf dem Hintergrund. Wie ist er gestaltet? Wie geht die montierte Optik mit den dortigen Strukturen, Farben und Lichtern um? Wie ändert sich die individuelle Wiedergabecharakteristik der eingesetzten Optik, wenn ich mit der Kamera "umherfahre" und so den Winkel und die Perspektive ändere?

Genau durch dieses "Rumfahren" kann man bereits auf dem Kameradisplay sehr schön erkennen, wie sich insbesondere das Bokeh bei alten Objektiven ändert, wenn man die Abstände zwischen Kamera und Hauptmotiv sowie zwischen Hauptmotiv um Hintergrundstrukturen ändert. Auf diese Art lernt man so charaktervolle Objektiv-Oldies wie diejenigen aus der Heliosreihe sehr schnell kennen.

Wenn es Dir mit der Zeit gelingt, die Abbildungscharakteristiken Deiner wundervollen Vintage-Objektive noch gezielter auf den Sensor zu bannen, wirst Du noch mehr Freude mit diesen tollen Linsen haben.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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