Märzenbecher

Heute im Eselsburger Tal

Kommentare

Profile picture for user Mainecoon
Makronist

Hallo Oehler,

das erste Foto ist sehr interessant durch die ungewöhnliche Perspektive! Lässt sich vermutlich auch nur mit der Minikamera von Sony machen.

Warum hast du die ISO 80 gewählt? Wolltest du diesen düsteren Look haben? Ich würde es dennoch noch ein wenig aufhellen, denn der starke Blaustich wäre schon spooky genug.

Viele Grüße

Mainecoon

Profile picture for user Roland
ADMIN

Frühlings-Geophyten

Hallo Oehler53,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Deine erste Bildeinstellung hier bei Makrotreff ist ein Foto mit einer hohen Bildaussage: Märzenbecher auf Waldboden.

Wer zuerst kommt...

Du hast sehr schön die Charakteristik dieser Pflanze zum Ausdruck gebracht. Sie wächst unter Laubbäumen auf dem Boden, und zwar gezielt vor dem Laubaustritt und der damit verbundenen Verdunkelung des kompletten Waldbodens. Das Licht wird hierbei bis zu 90% und mehr von den Bäumen in luftiger Höhe abgefangen. Ein Hauptaspekt hierbei ist also der frühe Blühzeitpunkt. Bei Laubaustritt sind die Märzenbecher mit der Blüte und auch größtenteils mit der Fruchtbildung durch.

Eine ähnliche Strategie verfolgen Schneeglöckchen, Leberblümchen, Buschwindröschen, Lerchensporn und einige andere. Man nennt sie auch "Frühblüher", Botaniker sprechen von "Frühlings-Geophyten". Diese Namen drücken die oben beschriebene Anpassung an die Lichtverhältnisse unter Laubbäumen aus. Sie alle sind die ersten – und schnellsten – in unseren Laubwäldern.

Eine Bildaussage, die es auf den Punkt bringt

Diese Anpassung an den Laubwald hast Du beim ersten Foto (ich beziehe mich bei der Analyse hier ausschließlich auf das erste der beiden eingestellten Fotos) durch die tiefe Aufnahmeperspektive sehr plakativ zum Ausdruck gebracht: ein blühender Märzenbecher, und über ihm das noch unbelaubte Kronendach der Laubbäume – aus der Sicht einer Ameise :-).

Belichtung

Bedingt durch die tiefe Perspektive entsteht ein Belichtungs-Dilemma: Der helle Himmel – wichtiger Teil der oben beschriebenen Bildaussage – rutscht ins Bild und gaukelt der kamerainternen Belichtungsautomatik sehr hohe Helligkeit vor. Die weiß nicht, dass diese Helligkeit nur durch die "Hintergrundlampe", den Himmel, kommt und nicht das eigentliche Hauptmotiv, den Märzenbecher, betrifft. Somit reagiert sie entsprechend und schließt die Blende bzw. verkürzt die Verschlusszeit. Dadurch wird das Hauptmotiv Märzenbecher-Blüte zu dunkel.

Die Lösung

Dies muss der Makronist während der Entstehung der Aufnahme merken – und korrigieren. Im Falle des Märzenbecherbilds oben hättest Du etwa 2/3 bis 1 Blendenstufe (oder Zeitstufe) ins Plus, also mehr Helligkeit, stellen müssen. Denn die Märzenbecherblüte ist zu dunkel.

Wichtig hierbei ist, dass diese Korrektur nicht zu stark ausfällt, damit der Himmel und die Baumkronen nicht überstrahlt werden. Sie müssen noch deutlich im Bild zu sehen sein, um die tolle Bildaussage zu erhalten. Dies muss dann jeweils auf dem Display überprüft werden.

Es ist also eigentlich eine Kleinigkeit, die zum wirklich guten Foto fehlt. Was bleibt ist eine tolle Bildidee!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Neuen Kommentar schreiben

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt. Deine Emailadresse ist nötig, um Dich über neue Antworten zu informieren.
CAPTCHA
dieser Test dient dazu den Spam zu verhindern. Wir bitten um Verständnis!