Magnolientropfen

Aufnahme mit Fuji XT20 und Altglas Panagor 90

1/2000 ISO 200

Erste Versuche in der Makrofotografie mit Altglas auf meinem Balkon, Versuchsobjekt Buschmagnolie nach dem Regen

Kommentare

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ADMIN

Hallo Moselfee,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Der Tropfen mit dem Spiegelbild in seinem Inneren ist ein sehr ansprechendes Motiv. Klasse ist auch das Himmelsblau hinter dem sich im Tropfen spiegelnden Magnolienzweigs.

Ich spreche ein paar Dinge genauer an:

Bildschnitt

Dein eigentliches Hauptmotiv ist der Regentropfen; das entnehme ich dem Bildtitel. Der Regentropfen hängt an einer mächtigen, geschlossenen Magnolienblüte, die dominant im Bild positioniert ist. Und die ist oben, zählt man den aufsitzenden Tropfen dazu, angeschnitten. Das wirkt etwas unharmonisch.

LÖSUNG:
Bezüglich des Anschneidens des Motivs gibt es eine Art Regel (zu der es natürlich auch Ausnahmen gibt, aber das lassen wir hier am Anfang erst mal weg):

Entweder richtig anschneiden oder gar nicht!

Gar nicht anschneiden heißt, ein wenig Abstand vom Bildrand belassen, sodass außen um das Hauptmotiv eine Art Rahmen vorhanden ist. Dadurch wirkt ein Hauptmotiv nicht "gequetscht". Wenn hingegen angeschnitten wird, dann sollte so stark angeschnitten werden, dass der Schnitt zum einen harmonisch wirkt, und zum anderen eindeutig sichtbar ist, dass dieser Anschnitt absichtlich, also nicht aus Versehen, vorgenommen wurde.

Bildaussage

Mit dem Bildtitel hast Du bestimmt, was Dein Hauptmotiv ist: der Regentropfen mit seinem attraktiven Spiegelbild. Der ist aber so klein auf dem Bild, die geschlossene Magnolienblüte hingegen so groß und wuchtig, dass der Bildbetrachter erst einmal nicht genau weiß, was Du ihm vorrangig anbieten willst, wohin er also schauen soll. Er pendelt optisch hin und her.

LÖSUNG:
Korrekt ist, bereits vor dem Fotografieren zu bestimmen, was die Absicht des Makronisten und was damit das Hauptmotiv ist.Ich gehe davon aus, dass Du dies so gemacht hast; entsprechend eindeutig ist der Bildtitel.
Dann kommt die fotografische Umsetzung, die zum Ziel hat, das festgelegte Hauptmotiv bildwirksam auf den Sensor zu bannen. Im Fall des Magnolienbilds würde das beispielsweise bedeuten, dass Du den Tropfen größer ins Bild setzt, sodass auch das attraktive Spiegelbild in seinem Inneren deutlich stärker zur Geltung kommt. Damit verbunden wäre ein stärkerer Anschnitt der Blütenknospe, was – wie ich oben beschrieben habe – ebenfalls von Vorteil wäre.

"Malen" mit dem Objektiv

Du hast das Foto mit dem Panagor 90mm gemacht – ich vermute mal, mit dem 2.8/90mm Macro (bitte bei Bildeinstellungen immer die vollständige Objektivbezeichnung nennen). Du gibst dieses Objektiv zwar korrekt mit dem Begriff "Altglas" an, aber hinsichtlich seiner Glaseigenschaften liegt es so in etwa zwischen den klassischen "Mal-Objektiven" und ihren modernen Nachfolgern. Es ist ca. um 1980 herum rausgekommen und sehr nahe am Vivitar 2.8/90mm Macro oder sogar identisch mit diesem. Es war seinerzeit bereits recht gut korrigiert. Klingt gut, geht aber leider ein wenig auf Kosten der "Pinselführung", sprich seiner Maleigenschaft. Damit will ich sagen, dass es im Bokeh nicht mehr so markant "malt" wie viele ältere Objektive mit deutlich schlechteren Korrekturen.

Nun ist dies an Deinem Foto zwar zu erkennen, aber selbst das nur relativ schwach. Warum? Weil kaum Hintergrundstrukturen da sind, mit denen das Objektiv "malen" kann. Das Bokeh besteht in erster Linie aus Himmel, hinzu kommen eine Aststruktur und ein Blatt. Und diese beiden Strukturen verraten bereits, dass das Panagor recht gut korrigiert ist und damit über keine markante, auffällige "Pinselführung" verfügt. Der Rest des Bokehs bietet ohnehin wenig Spielraum für ein Objektiv, sich malerisch auszutoben :-).

Und nun stellt sich natürlich eine wichtige Frage: Ist es sinnvoll, ein solches Foto mit diesem Objektiv zu machen? Ist es da nicht sinnvoller, entweder ein moderneres Makroobjektiv (also kein 40-Jahre altes) einzusetzen, um eine "klassische" Makroaufnahme vom attraktiven Regentropfen samt Spiegelbild zu machen? Oder eben, wenn Du Malen mit der Kamera machen möchtest, dann nicht besser ein älteres Vintage-Objektiv wählst, dass diesen Job überzeugender ausführt?

Ich denke, diese Frage kannst nur Du beantworten, weil nur Du weißt, was Dein tatsächliches Ziel ist.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

herzlichen Dank für deine ausführliche Analyse. Du hast mir einiges zum Nachdenken mitgegeben, insbesondere der Bildgestaltung. Ich denke, darauf kann ich gut aufbauen.

Das Panagor 2.8/90 habe ich mir sozusagen als Testmakro zugelegt, da ich nicht weiß, ob mir die Makrofotografie auf längere Zeit gefällt und zu dem Zeitpunkt des Kaufs das Fujimakro noch nicht auf dem Markt war.

Der Begriff "Malobjektiv" ist mir bisher noch unbekannt gewesen und ich hoffe, hier noch viele fotografische Unbekannte kennenzulernen.

Ich wünsche noch einen schönen Ostermontag

Gruß Heike

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