Schmeißfliege

Vor ein paar Jahren habe ich mir mal ein paar Adapter bestellt um meine alten Minolta-Objektive an meiner Olympus E-M10 (die erste M10) zu verwenden.

Die Adapter lagen ein paar Jahre im Schrank um zu reifen und um jetzt wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden. Angeregt durch Eure Seite habe ich dann heute meine ersten Gehversuche mit VINTAGE-Makro gemacht.

Das Bild wurde mit einer 
Olympus OM-D E-M10 Mark III und
MINOLTA ROKKOR f=55mm 1:1,7 mit
Zwischenringen gemacht und ist unbearbeitet.
Ich denke ich habe Blende 8 verwendet.

Das Bild ist von den Farben nicht so kräftig und das Finden des richtigen Focus ist nicht so einfach. Da muss ich wohl noch etwas üben.

Gruß, Klaus

Kommentare

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ADMIN

Hallo Klaus,

herzlich willkommen bei Makrotreff!

Da hast Du ja was ziemlich Interessantes aus der Foto-Wühlkiste gezogen: Das Rokkor 1.7/55mm ist eine feine Vintage-Linse.

Und ausgeführt hast Du sie auch schon, die Adapter waren mittlerweile anscheinend reif genug :-). Die frische Luft hat dem Minolta-Senior sicherlich gut getan.

Ein paar Anmerkungen in Einzelnen:

Malen mit der Kamera

Bei der Vintage-Makrofotografie geht es darum, die "Fehler" – also tatsächlich die seinerzeitigen eigentlichen fotooptischen Unzulänglichkeiten – der Objektiv-Oldies so zur Wirkung zu bringen, dass sie künstlerisch wirken ("wie gemalt"). Diese Fehler zeigen sie am deutlichsten, wenn ihre Blende die volle Öffnung hat. Dann beteiligen sich auch die seitlichen Glasbereiche der Optik am Bildergebnis. Und früher wie heute schlummern in diesen seitlichen Glasbereichen die meisten Unzulänglichkeiten. In der Mitte sind die meisten Optiken scharf, zu den Rändern hin lässt die Leistung meist spürbar nach.

Deshalb wird in der Vintage-Makro-Fotografie nahezu ausschließlich mit Offenblende fotografiert; hierzu gibt es nur wenige Ausnahmen, die sinnvoll sind. Wird ein Vintage-Objektiv abgeblendet, werden sofort die Auswirkungen dieser Fehler reduziert, sehr rasch sogar minimiert oder sogar ganz beseitigt. Logische Schlussfolgerung: Da kann man auch gleich ein modernes Objektiv nehmen. Das ist dann nochmals deutlich besser korrigiert und liefert in der Regel auch eine bessere Brillanz.

Du hast Dein Fliegenfoto mit Blende 8.0 gemacht. Damit hast Du also das tolle Rokkor fast vollständig "entschärft". Dies zeigt Dir der Blick in den Bild-Hintergrund. Die Unschärfen gleichen recht stark denen einer modernen Optik. Bei Blende 1.7 würden sie völlig anders aussehen – eben wie gemalt. 

Fazit: Bei der Vintage-Makrofotografie bis auf wenige Ausnahmen die Blende vollständig öffnen!

Bildaufteilung / Schärfe

Du hast die Fliege weit unten links im Bild platziert, mit Blick nach rechts in den freien Bildraum. Zunächst ist das sehr gut.

Bei der Vintage-Makrofotografie müssen die allgemeinen Bildgestaltungsregeln etwas verändert angewendet werden. Wie oben beschrieben, lässt die Leistung eines jeden Objektivs zu den Bildrändern und insbesondere zu den Bildecken hin deutlich nach. Das trifft insbesondere bei alten Objektiven zu, weil die Ingenieure seinerzeit noch nicht so weit waren wie heute. Selbst bei der relativ geschlossenen Blende 8.0 sind diese Schärfeverluste noch recht deutlich sichtbar – so auch bei dem Fliegenfoto; die Fliege ist für die Blende 8.0 ziemlich unscharf.

Nun reagieren die alten Objektive bezüglich dieses Punktes sehr unterschiedlich. Die einen sind ausschließlich im Bildzentrum scharf, die anderen halten die Schärfe bis ziemlich weit nach außen. Das muss man also bei jedem einzelnen Objektiv ausprobieren. Das ist so ein Punkt, den ich meine, wenn ich sage: Man muss mit jedem Vintage-Objektiv eine individuelle Beziehung aufbauen :-).
Das alles trifft insbesondere bei Offenblende zu – mit der wir ja überwiegend auch arbeiten (siehe Punkt 1).

Ziel ist es, ein Hauptmotiv, wenn es bildgestalterisch sinnvoll ist, bereits beim Fotografieren so weit aus der Bildmitte herauszulegen, wie es gerade noch mit der maximalen Schärfe des Objektivs abgebildet wird, zu der dieses in der Lage ist. Mittels nachträglichem Bildbeschnitt im Rahmen der Bildbearbeitung wird dann bei Bedarf nochmals nachjustiert. Hier gelten also andere Maßstäbe als bei der klassischen Makrofotografie mit hochkorrigierten Objektiven.

Fazit: Bei der Vintage-Makrofotografie das Hauptmotiv nur so weit aus dem Bildzentrum heraus platzieren, wie die Schärfeleistung des eingesetzten Objektivs dies zulässt.

Zustand der Linsen

Wenn ich mir das Fliegenfoto so anschaue, kommt bei mir der Verdacht auf, dass die Linsen Deines Rokkors einen leichten Belag aufweisen könnten. Dieser entsteht über die Jahre recht schnell, während so ein Objektiv-Schätzchen im Dornröschenschlaf vor sich hinträumt.

Überprüfe die Gläser, ob sie Belag, Nebel oder sogar Pilzbefall aufweisen.

Unabhängig davon solltest Du ausschließlich mit Gegenlichtblende fotografieren, damit möglichst wenig Streulicht auf die alten Gläser trifft. Denn dadurch wirkt der auch geringste Nebel wie eine Mattscheibe.

Also: Eine Menge Stoff hat Dein erstes Ausführen des ausgegrabenen Obi-Schätzchens geliefert. Nun ist es Zeit für einen zweiten Spaziergang :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user Klaus.i.
Makronist

Danke Roland für den ausführlichen Kommentar zu meinem Foto.

Weil gestern mein letzter Urlaubstag war, wird es mit den nächsten Versuchen mindestens bis zum Wochenende dauern. Dabei werde ich auch selbstverständlich deine Tipps berücksichtigen und dann ein paar Aufnahmen mit der Offenblende durchführen.

Um ein Gefühl für das Objektiv zu bekommen, werde ich bei der Bildaufteilung / Schärfe mal ein paar Versuche machen und das zu fotografierende Objekt an verschiedenen Stellen platzieren und mir anschließend die Auswirkungen ansehen.

Die Linsen des Objektivs sehen klar aus und ich konnte mit bloßem Auge keine Mängel erkennen. Ich schau mal, was ich da machen kann und wie ich da eine Gegenlichtblende dran bekomme.

 

Vielen Dank nochmal für deine Anregungen,

Klaus

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