Tarnung?

Die veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) wird oft als Meister der Tarnung beschrieben (sie kann sich gelb färben, wenn die Blüte, auf der sie sitzt, eben gelb ist).

Auf der roten Spornblume (Centrathus ruber) in unserem Garten fühlen sie sich - scheinbar völlig ungetarnt- seit Jahren wohl, und fressen sich mit Bienen, Schwebfliegen und Co. bis in den Herbst dick und fett.

Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass (die meisten) Insekten rotblind sind, und dafür im UV- Bereich Sensoren haben? Sprich, für eine Schwebfliege sieht obige Blüte samt Spinne völlig anders aus, als für uns Menschen? (Vergleichbar mit der Problematik eines Rot-Grün-Verwechslers, der Erdbeeren pflücken soll :-)

Kommentare

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Makronist

Hallo Manfred,

"diesen Moment zu erwischen" ist gar nicht so schwer. Die Krabbenspinne fängt ihr Opfer aus Sicherheitsgründen (wehrhafte Insekten mit Stacheln...) erst mal am Genick, gefolgt von einem Giftbiss. Dann beginnt sie mit ihrer Mahlzeit vom "Kopf weg", das dauert gut 5-10 Minuten (vgl. unten angehängtes Bild). Dann dreht sie das Opfer um, und beginnt von hinten mit dem Aussaugen (wie im eingestellten Bild zu sehen). Auch das dauert  wieder einige Minuten. Also: Genug Zeit, für einen oder auch mehrere Stacks!

Zur technischen Perfektion: Auch hier ist noch Luft nach oben..., trotzdem Danke für den Kommentar,

Schöne Grüße Uli

Giftbiss direkt nach dem Jagderfolg.

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MOD

Hallo Uli,

ist mir auch schon aufgefallen, dass die Spinnen Rot nicht können beim Einfärben. Bei gelben Blüten haben sie kein Problem. Da hast du einen tollen Moment erwischt.Auch die Farben sind schick. Einzig dein Rahmen ist mir persönlich  etwas  zu eng im unteren Bereich .Aber das ist nur eine Kleinigkeit.;-)

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Etwas Biologie...

Hallo Gabi,

das mit dem Farbenwechsel bei der Veränderlichen Krabbenspinne ist eine interessante Sache. Bei der Gelbfärbung auf einer gelben Blüte wird ein flüssiger, gelber Farbstoff in die oberste Zellschicht des Körpers eingelagert. Wechselt die Spinne nun auf eine weiße Blüte, verlagert sie den gelben Farbstoff ins Körperinnere. Nun werden weiter tiefer liegende, mit weißem Guanin gefüllte Drüsen sichtbar – die Spinne wird weiß.

Da aber nun der gelbe Farbstoff nach der Verlagerung ins Körperinnere größtenteils ausgeschieden wird (mit dem Kot), ist ein erneuter Farbwechsel zurück zu Gelb nicht mehr möglich. Das sind dann die weißen Krabbenspinnen, die man ab und zu auf gelben Blüten findet.

So ´ne Veränderliche Krabbenspinne muss sich also vorher genau überlegen, wohin sie sich nachher setzt. Ansonsten ist sie bald nicht mehr veränderlich :-).

Übrigens: Zum oben beschriebenen Farbwechsel sind nur ausgewachsene, reife Weibchen in der Lage.

Immer wieder faszinierend, was es da draußen alles zu erforschen gibt... .-).

Liebe Grüße

Roland

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MOD

Guten Morgen, Roland!

Danke für deine ausführliche,interessante Erklärung. Wir hatten das Thema schon einmal. Ich hatte doch da diesen Ausscheidungstropfen fotografiert. Ich kann mich erinnern. Jedoch bleibt die Frage, kann sie auch Rot oder gibt es für Insekten dieses Rot nicht und braucht  sie sich deshalb nicht so einzufärben , kann die "Unveränderliche" bleiben ? :-)

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Hallo Gabi,

wir wissen nicht, ob die Veränderliche Krabbenspinne die Farbe Rot sehen kann. Es kann aber durchaus sein, dass sie Blüten, die für uns Rot erscheinen, in anderen oder zusammen mit anderen Farben sieht – je nach zusätzlich vorhandenen Farben aus einem anderen Farbspektrum.

Egal wie, die Veränderliche Krabbenspinne kann sich auf jeden Fall nicht rot Färben. Sie verfügt ausschließlich über gelben Farbstoff. Wird der verlagert, erscheint das Weiß der mit weißem Guanin gefüllten Drüsen. Guanin ist ein Stoffwechsel-Endprodukt.

Hm, klingt jetzt alles ein wenig kompliziert. Das entscheidende aber ist, dass die Spinne als Farbe nur "Gelb" kann :-), denn Weiß ist ja eigentlich keine Farbe. Da die Spinne das "weis", sucht sie, wenn vorhanden, vornehmlich gelbe oder weiße Blüten auf; diese kann sie mit ihren Augen erkennen, damit steuert sie die Auswahl der Blüten.

Hockt sie also ungetarnt beispielsweise auf einer roten Blüte, dürfte dies entweder ein Versehen oder reine Verzweiflung in Ermangelum einer gelben bzw. weißen Blüte sein (grins).

Liebe Grüße

Roland

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