Im Sommerurlaub nahe Vimmerby fiel mir zunächst neben der Ferienwohnung diese Wanze auf. Ich habe das Egleet 3in f1.9 mächtig verlängern müssen, um nahe genug zu kommen, ein großer und ein kleiner Helicoid waren maximal ausgefahren, es ist also locker 120mm+ verlängert.
Meine Frage an euch: Ist das nur noch weich langweilig? So richtig rockt das Elgeet eigentlich nur, wenn es wenig verlängert wird. So... wirkt es auf mich austauschbar, nicht mehr spannend. Wie geht euch das?
Spannend wurde es auf den nächsten Bildern. Das rote Tierchen sah irgendwie komisch aus - ich habe es im dritten Bild über die 10% hinaus gecroppt. Ich weiß nicht was das ist, aber kurz darauf war es eines mehr.
Kommentare
MOD
Hallo Markus,ja, es ist bei…
Hallo Markus,
ja, es ist bei Bild 1eine Wanzennymphe (Larvenstadium), die Du da erwischt hast.
Zu Deiner Frage, mir persönlich zeichnet das Objektiv in diesem Fall zu weich und wenig interessant. Da bin ich ganz Deiner Meinung.
Aber schau, was Du da bei den anderen beiden Bildern Interessantes erwischt hast. Eine Blattlaus beim Geburtsvorgang. Sowas hab ich noch nie gesehen. Super! Blattläuse gebären lebende Nachkömmlinge, während die Wanzen sich erst mit ihrem Eizahn aus der Eihülle, die in Gruppen unter Blättern angeheftet sind, befreien muss. Zu der Fortpflanzung der Blattläuse kannst Du hier nachlesen. Das ist total interessant und ich kann es gar nicht so ausführlich wiedergeben, deshalb mein Link.;-)
Liebe Grüße
Gabi
Danke für deine Rückmeldung,…
Danke für deine Rückmeldung, Gabi!
Vielleicht sollte ich mir eine Übersicht über meine Erfahrungswerte der Objektive anlegen, wo die Sweet Spots der Objektive sind. Wobei ich mittlerweile glaube, dass bei 12cm Verlängerung fast alle Objektive nur noch weich sind.
Auch spannend, dass das Blattläuse waren. Ich habe noch nie zuvor orangene Blattläuse, vorallem nicht so große gesehen!
ADMIN
Hallo Markus,dein Schweden…
Hallo Markus,
dein Schweden-Urlaub hat sich anscheinend gelohnt :-)! Zumindest warst du öfter erfolgreich mit deiner Kamera unterwegs...
Noch ein paar zu Gabis Ausführungen ergänzende Gedanken zur Technik:
Deine Beobachtung, dass Vintage-Objektive bei größerem Auszug "nur noch weich sind", liegt weniger an der physikalischen Darstellung dieser Objektive, als vielmehr daran, dass mit zunehmendem Auszug der Abbildungsmaßstab zunimmt und damit die "Bühne" HINTER dem jeweiligen Hauptmotiv immer kleiner wird. Hier genau wird aber gemalt!
Die Bühne – anders ausgedrückt der Hintergrund mit seinen Unschärfen – ist der Ort, an dem viele alte Objektive ihre besondere Abbildungscharakteristik zeigen. Und ja: Eine Swirl-Eigenschaft geht mit zunehmendem Abbildungsmaßstab zurück bis hin zur vollständigen Auflösung. Aber:
Die Darstellung von Kontrastkanten und Lichtern bleibt weitestgehend erhalten.
Da sich jedoch mit zunehmendem Auszug die Fläche für die Darstellung von Rendering, Lichtunterschieden usw. deutlich verkleinert, ergeben sich einfach weniger Möglichkeiten für diese charakteristischen Abbildungseigenschaften; man kann auch sagen: die Leinwand bzw. die Bühne wird kleiner. Das, was jedoch auf dieser Bühne ist, kann auch wunderbar "gemalt" werden, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Genau diese Voraussetzungen sind bei den oben gezeigten Bildern nicht ideal. Die gelben Blütenköpfchen sind recht flächig, ihre Farbe und das Licht auf ihnen ist homogen. Da hat das Elgeet "wenig zum Anknabbern". Die Unschärfe-Strukturen sind also insgesamt zu homogen.
Ich arbeite sehr viel mit alten Objektiven in extremen Nahbereichen – auch mit diesem wunderbaren Elgeet. Hier muss man sehr auf die Charakteristik des Bokehs achten. Ist diese günstig, ist die "Mal"-Wirkung im extremeren Nahbereich phänomenal!
FAZIT: Das Malen bei größeren Abbildungsmaßstäben ist aufgrund der damit verbundenen Verkleinerung der Hintergrundfläche etwas schwieriger; hier muss man noch deutlicher auf geeignete Strukturen in den Unschärfen achten. Sind diese vorhanden, entstehen phantastische Bildgemälde.
Liebe Grüße
Roland
Lieber Roland,danke für das…
Lieber Roland,
danke für das inspirierende Feedback. Dazu das Interview in der DOCMA mit dir genau zu diesem Thema, den Oscillo Objektiven
(wer es verpasst hat: https://www.docma.info/altglas/naturfotograf-roland-guenter-ueber-oscil…)
plus der inspirierende Workshop (sehr empfehlenswert, insbesondere wenn man wie ich festgefahren ist), und schon ertappe ich mich dabei mit dem Oscillo Elgeet 3in mit effektiv 20cm Abstand zum Sensor im Gebüsch zu liegen und auf ein spannendes Motiv zu warten. Im Urlaub mit drei kleinen Kindern. Zum Glück habe ich eine sehr verständnisvolle Ehefrau.
Ich bin sehr überrascht, wie gut scharf das Oscillo bei einer solchen Verlängerung ist – auf kleinem Mittelformat, wohlgemerkt! Die größte Herausforderung aber war es, etwas zu finden was bei so einer Vergrößerung noch nah genug am Fokuspunkt ist, um nicht einfach nur weich zu sein sondern auch noch etwas zu fressen für Bokeh zu haben. Das sind Probleme, die ich früher noch nicht hatte. Fündig wurde ich endlich bei einigen Schmetterlingen an einem mir nicht bekannten Kraut. Normale Blüten hatten einen viel zu schnellen Übergang beyond the Bokeh in die unendlich langweilige Weichheit.
Was habe ich gesucht und geflucht! Mit nur leichter Vergrößerung ist es so viel leichter, vgl. die Nymphen. Aber ich wollte es ja unbedingt wissen.
Nach einer Stunde habe ich effektiv aufgegeben. Wind, Licht, Arbeitsabstand zu den Schmetterlingen, das Gewicht von Kamera, aber auch einfach Frust. Raus kamen nur ein paar wenige Aufnahmen, die nicht komplett schrecklich wurden. Da bleibe ich vorerst bei einem größeren Abstand und weniger Vergrößerung, das reicht mir bis ich wieder mehr Zeit für Lichtmalerei habe.
Die Bilder ohne Vignette habe ich im 35mm "Crop" aufgenommen, die mit Vignette sind ungeschnitten.
ADMIN
Hallo Markus,du willst es…
Hallo Markus,
du willst es wieder einmal wissen :-)! Klar, wenn du das Teil sooooo weit vor den Sensor ziehst – den Auszug also so stark vergrößerst –, betrittst du Welten, in denen aus fotografischer Sicht alles schwieriger wird. Diesen Effekt hat man auch bei der Fotografie mit modernen Objektiven.
Die drei Fotos zeigen deutlich den von mir oben beschriebenen Effekt. Infolge des hohen Abbildungsmaßstabs wird die "Bühne", auf der das Objektiv malt, sehr klein. Das hat dann natürlich Einfluss auf die Wahrnehmung: Auf einer kleinen Bühne müssen Strukturen kräftig gemalt sein, um wahrgenommen zu werden. Umgedreht kann sich ein Objektivpinsel auf großer Bühne ordentlich austoben – was dann vom Betrachter als "starkes" Gemälde wahrgenommen wird.
Natürlich kannst du den Abbildungsmaßstab noch größer wählen als beim untersten Schmetterlingsbild, um leicht einen deutlichen Maleffekt zu erzielen. Aber die beiden oberen Fotos stellen hier schon besondere Herausforderungen dar. Im Bereich zwischen diesen beiden Abbildungsmaßstäben (also den beiden oberen Bildern und dem unteren) fühlt sich das Elgeet Oscillo-Navitar sehr wohl :-).
Ja, in der aktuellen DOCMA-Ausgabe erzähle ich einiges über diese für die Vintage-Makrofotografie wunderbar geeigneten Objektive. Aber hier ist ja nur ein kleiner Teil des Interviews abgedruckt. Das ganze Gespräch ist in "Der Modding-Guide" von Bernd Kiekhöfel zu finden.
Mir hat unser gemeinsames fotografisches "Malen" beim Workshop auch sehr viel Freude gemacht. Das war ein tolles Wochenende!
Liebe Grüße
Roland
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