HAIKU-Foto "Ein Fleckchen Boden"

Hier stelle ich ein weiteres Haiku-Bild ein im Rahmen unserer Haiku-Fotoaktion (Haiku-Mitmachpost und Foto-HowTo – HAIKU fotografieren).

Vor wenigen Tagen war ein kalter, nebeliger Morgen. In der Nacht ein paar leise Schneeflocken.

Ich schraubte das Canon FD 1.2/85mm Teleobjektiv an meine Sony und ging hinaus. Nach wenigen Metern kam ich an eine kleine Böschung. Ich setzte mich auf mein Kniekissen zwischen braunem, vertrocknetem Gras und abgeworfenen Blättern, auf einigen Blättern lag wenig Schnee.

Ich betrachtete einige Momente lang den Boden und ließ seine Details auf mich wirken, ohne Absicht, ohne Ziel. Dann legte ich die Kamera auf den Boden und bewegte sie langsam nach vorne. Das aufgeklappte Display zeigte mir, was das Objektiv "sah".
Bereits nach wenigen Zentimetern erschien eine Komposition aus vertrockneten Gräsern und braunen Blättern, die mich faszinierte. Nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches, nur ein kleines Fleckchen austauschbarer Winterboden, und dennoch (oder gerade deshalb?) erzeugte der Raum zwischen den Gräsern und Blättern Gefühle und Gedanken in mir. Ich veränderte nichts, legte nur durch leichtes Schwenken der Kamera die Fokuspunkte nach rechts und unten ins Bild. Und während ich mich im unscharfen Raum dazwischen verlor, löste ich aus.

Haiku-Gedicht:

Blätter am Boden

Bahnen in kalten Räumen

Das Neue atmet


Vertiefung:
Das Besondere an diesem Fleckchen Erde: Es gibt nichts Besonderes. Es gibt nichts Außergewöhnliches, nichts Spektakuläres. Dieses bewachsene Fleckchen Erde ist wie jedes andere. Es zeigt das Leben von all seinen Seiten: leben, vergehen, und wieder leben.
Doch, das ist spektakulär. Das Spektakuläre liegt darin, dass uns jedes Fleckchen Erde die ganze Geschichte zeigt.
Das ist Haiku.

Liebe Grüße
Roland 

Kommentare

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Makronist

Das Haiku Gedicht ist dasselbe wie die „Elfchen“? Das Prinzip ist dasselbe.Am Ende steht ein Gedicht aus 11 Worten. So kenne ich das in Zusammenhang mit „Meditativer Fotografie“ von Geirg Schraml. Ehrlich, in die Fotografie mit altem Glas muss ich mich noch mehr hineinfühlen. Die Bilder sind allesamt nicht scharf. Darauf sind unsere Augen durch moderne Kameras und Smartphones getrimmt. Unschärfe, die fast verläuft wie Farbe auf einen Blatt Papier, kann wunderschön sein.Dafür muss ich innerlich anhalten, ruhig und langsam werden. Das fällt mir noch etwas schwer.

Thomas 

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ADMIN

Hallo Thomas,

Elfchen sind auch eine Kurzform von Gedichten. Sie stammen, wenn ich mich nicht täusche, aus den Niederlanden,. Dort wurden sie vor etwa 30 Jahren ins Leben gerufen und werden heute überwiegend in pädagogischen Kreisen, z. B. für die Schreiberziehung von  Kindern, genutzt.

Haiku hat eine jahrztausende lange Tradition in Japan. Dort gab und gibt es namhafte Dichter, die sich dieser Lyrikform widmeten. Früher handelte es sich hierbei um einen wesentlich umfangreicheren Langreim, der sich dann erst später zu einem Kurzgedicht entwickelte.

Du hast Recht, in der Vintage-Makrofotografie begegnen wir nicht der Schärfe, wie wir sie aus der modernen Fotografie kennen. Die alten Objektive waren insbesondere bei Offenblende hierzu (noch) nicht in der Lage.

Dennoch versuchen wir, die für jedes alte Objektiv individuelle maximale Schärfe bei Offenblende auch zu realisieren – und die ist bei einigen dieser Jahrzehnte alten Objektiven erstaunlich hoch!  Das Ziel der Vintage-Makrofotografie ist nicht die reine Reproduktion, also die möglichst genaue Wiedergabe dessen, was da ist. Die Gläser der alten Objektive sind vielmehr in der Lage, Stimmungen und Empfindungen ins Bild zu zaubern. Dies erreichen sie insbesondere durch einen besonderen Umgang mit den Unschärfen.

Wenn du mehr über diese Art der Fotografie erfahren willst, schaue doch mal auf die Makrotreff-Seite

Vintage-Makrofotografie – Malen mit der Kamera.

Liebe Grüße

Roland

 

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