Mäusebabys

Heute war es richtig heiß. Ein Wetter, wie es nach meiner Beobachtung bodenbrütende Insekten lieben. Also mal schauen, was am Sandbeet so los ist. Und dann kam alles anders…

Es begann damit, dass eine Maus über den Sand lief. Sie hüpfte die Natursteinmauer runter und verschwand. Als ich genauer hinschaute, entdeckte ich ein Mäusebaby, das sich am Mauerfuß genussvoll sonnte. Kurze Zeit später kam ein Geschwisterchen aus dem Mauseloch. Die Mäuse verknäulten sich mit geschlossenen Augen – eine zeigte meistens ihr Hinterteil: Nicht besonders fotogen.

Letztlich verbrachte ich ein paar Stunden damit, die kleinen Säuger zu beobachten. Ich habe sie auch mal gestreichelt und am Schwanz gekitzelt, das hat sie überhaupt nicht irritiert. Zwischenzeitlich wurde die träge Schläfrigkeit urplötzlich unterbrochen. Die Mäuse zuckten und zappelten und verschwanden dann in ihrem Mausloch. Die Ursache: Eine Ameisenattacke!

Als es schon dunkel wurde, gab es noch ein Gewitter. Die kleinen Tiere blieben einfach liegen und ließen sich nassregnen. Mangelnde Erfahrung? Auf jeden Fall ein sehr schönes Naturerlebnis mit einem eher untypischen Makromotiv.

Liebe Grüße

Ingo

PS: Bild 1 ist ein Stack, die Fotos wurden geblitzt

Kommentare

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Makronist

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Eigentlich wollte ich versuchen, das Aufwachsen der kleinen Mäuse fotografisch zu begleiten. Aber ihr junges Leben wurde im Laufe der Nacht beendet. Wahrscheinlich sind sie einer der zahlreichen freilaufenden Katzen aus der Nachbarschaft zum Opfer gefallen. Tja, so ist das eben. Schade.

Profile picture for user IngaEdel
ADMIN

Hallo Ingo,

Du siehst mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Sie sind so unheimlich goldig, die Kleinen. Das zweite scheint fast Daumen zu lutschen. Hoffentlich konnten Sie ihr kurzes Leben genießen. Die Übertäterin hat nicht mal ihre Spuren verwischt.

Liebe Grüße

inga

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Makronist

Hallo Inga,

die Beobachtung heute Morgen hat mir schon einen Stich ins Herz versetzt. Ich habe Trauer empfunden. Übrigens war es gar nicht so einfach, ausdrucksvolle Posen abzulichten, da die Mäuse meistens zusammengerollt aufeinander lagen. Was man nicht sieht: Sie sind kleiner -oder zumindest kürzer :) - als eine große Libelle. Also schon echte Makros.

Liebe Grüße - auch an die Unke

Ingo

 

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MOD

Hallo Ingo,

auf Bild 2 ist schon der Ameisenangriff zu erahnen. Sie sehen wirklich süß aus, diese kleinen Mäuse. Vielleicht hat die Mutter sie weggeschleppt wegen der Ameisen.

Mäuse sehe ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Wühlmäuse   treiben es arg in meinem Garten dieses Jahr. So manche große " Bienenweide" ist ihnen bisher zum Opfer gefallen. Sie fressen alles, Petersilie, Muskatellersalbei, Mannstreu, Gurkenkraut. Ein Beet ist komplett leer. Tja, ist halt Natur. 

Liebe Grüße

Gabi

 

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Makronist

Hallo Gabi,

Wühlmäuse im Garten sind aus Gärtnerinnensicht natürlich eine echte emotionale Herausforderung. Sie zerstören das, was -teilweise über Jahre- mit viel Menschenliebe geschaffen wurde. Sehr frustrierend! Nicht alles Leben mag sich unseren Vorstellungen unterordnen. Vielleicht würde es helfen, mehr über die Wühlmäuse und ihre Rolle im Gesamtsystem Natur zu wissen? Keine Ahnung, ich glaube, mich würde das Ergebnis ihres Wirkens aggressiv machen. Aber wenn man dann ihre Babys sähe, könnte man vielleicht doch alles vergessen und lieber die Knipse rausholen :).

Liebe Grüße

Ingo

PS: Unser Garten ist auch in diesem Jahr optisch wieder "der Hammer". Aber bzgl. der Insektenvielfalt ist in 2025 noch Luft nach oben. Weiterer Rückgang? Ein "Ausreißerjahr"? Oder kommt da noch was? Gewöhnung an das neue Niveau der letzten Jahre? Mangelnde Artenkenntnis? Mal schauen... 

 

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MOD

Hallo Ingo,

ich bin natürlich auch sauer über soviel Zerstörung, aber ich gebe Dir Recht, eigentlich bin ich eher milde gestimmt bei allen Tieren und hole die Kamera. Bei uns hat dieses Jahr nun auch noch die Elster gebrütet, was für die anderen Vögel im Garten eher schlecht ist. Vorgestern hüpfte nun eine kleine Elster vor meinen Füßen herum, da kann ich nicht anders als schmunzelnd die Kamera holen.Niemals könnte ich ihr etwas tun. Sie haben übrigens graublaue Augen.:-)

Deine Aussage vom Auffinden weniger Arten im Garten kann ich nur bestätigen. Ist bei mir genauso. Ich hab mich schon gefragt woran es liegt und was ich noch verbessern könnte. Keine Ahnung....echt traurig.

Hab einen schönen Tag, Ingo!

Liebe Grüße aus dem sonnigen Hessen

Gabi

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ADMIN

Hallo Ingo,

ich habe mir in den vergangenen Wochen viele Gebiete auch in der freien Landschaft angeschaut und ebenfalls festgestellt, dass insgesamt nur verhältnismäßig wenige Insektenarten und vor allem auch sehr wenige Individuen unterwegs sind. Nur in einem Gebiet war ich überrascht über ein paar Funden mehr.

Klar, wir sprechen hier von keinen wissenschaftlichen Erhebungen. Und gerade bei Insekten sind jahreszeitliche Schwankungen von Populationsdichten normal. Dennoch ist es offensichtlich, dass der übergeordnete Rückgang vieler Tierarten und -individuen – und hier auch der Insekten – in vollem Gange ist; für diese Beobachtung bzw. Feststellung benötigt man nicht immer wieder ein neues wissenschaftliches Gutachten. Dies kann man auch selbst durch aufmerksames Beobachten erfassen.

Diese Entwicklung trifft auch auf Gärten zu. Klar, von irgendwoher müssen die Tiere in die Gärten einwandern. Denn für die meisten Tierarten sind die oft relativ kleinen Größen von besiedelbaren Gärten sowie ihre häufig vorhandene Insellage innerhalb nicht besiedelbarer Bereicher einfach zu klein, um dort isoliert eine eigene, stabile Population aufzubauen.

Solange die große Zerstörung auf den wirtschaftlich genutzten Flächen – hier vor allem die Agrarflächen, zunehmend aber auch die Waldflächen – nicht aufhört, wird sich dieses Bild nicht verbessern, sondern weiter verschlechtern. Genau das kann man jetzt draußen beobachten.

Liebe Grüße

Roland

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ADMIN

Hallo Ingo,

es liegen die Belege über ein umfangreiches Arten- und Individuensterben der Insekten und auch der Vögel auf den landwirtschaftlichen Flächen vor. Diese Rückgänge sind die logische Folge der Lebensraumveränderungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Hauptverantwortlich hierfür ist neben der massiven Ausbringung von Pestiziden die Homogenisierung der Landschaft. Beides führt dazu, dass jetzt aktuell die dortigen Ökosysteme zusammenbrechen.

Die Wälder Deutschlands sind so gut wie alles Wirtschaftswälder. In ihnen ist hinsichtlich der Homogenisierung seit vielen Jahren/Jahrzehnten ebenfalls eine sehr negative Entwicklung im Gange. Extrem negative ökologische Folgen hat hierbei die durchschnittliche Altersstruktur und damit die durchschnittliche Stammdicke der Bäume. Es gibt so gut wie keine wirklich alten Bäume mehr. Bevor sie alt und ihre Stämme richtig dick werden, werden sie geerntet. Dies legt die sogenannte Umtriebszeit fest. Hat eine Baumart auf einem bestimmten Standort ein bestimmtes Alter erreicht, wird sie geerntet – obwohl sie biologisch noch hunderte Jahre älter werden könnte.
Dies kann man sehr schön selbst feststellen, wenn man irgendwo einen Waldspaziergang macht; man findet so gut wie ausschließlich junge (dünne) Bäume und Bäume bis zu einem Alter von etwa 120 bis 150 Jahre – keine älteren und damit auch dickeren. So richtig alte Bäume kennen wir heute kaum noch in unseren Wäldern, da wir sie einfach nicht mehr alt werden lassen. Dies ist systemisch! Ich beschreibe hier die allgemein übliche Praxis!

Das Problem dabei: Je älter ein Baum ist, desto mehr Leben existiert auf und in ihm, hier vor allem Insekten. Ich spreche hier von zig bis einigen Hundert Arten! Das trifft aber nicht auf die jungen Bäume zu.
Anmerkung: Seit vielen Jahren werden in den Wirtschaftswäldern vereinzelte dicke Bäume stehen gelassen – sogenannte "Methusaleme". Das sind jedoch viel zu wenige, und ihre Abstände zueinander sind in der Regel viel zu groß, um eine positive und ausgleichende Ökosystemwirkung zu haben. 

Der zweite gravierende Faktor ist das Totholz – sowohl stehendes als auch liegendes, und beides in unterschiedlichen Durchmessern. Besonders wertvoll aus ökologischer Sicht ist dickes Totholz. Das fällt aber nur bei alten und dicken Bäumen an! Das es die schon lange nicht mehr gibt, stellten wir bereits fest.
Es gibt ein Sprichwort: Ein Baum fängt erst richtig an zu leben wenn er stirbt. Dieses Sprichwort beschreibt die Gegebenheit, dass erst ein absterbenden Baum Lebensraum für eine extrem hohe Vielzahl von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten wird; ein junger gesunder Baum kann sich gegen solche Besiedlungen in der Regel sehr gut schützen.

Unsere Wirtschaftswälder bevorraten viel zu wenig Totholz – sowohl zu wenig stehendes als auch zu wenig liegendes. Das führt zu enormen Arten- und Individuenrückgängen gegenüber langfristig ökologisch stabilen Wäldern.

Selbst, wenn wir also Mischwälder haben (von den sehr negativen Formen von Monokulturen wie reine Fichten oder Kiefernwälder rede ich hier gar nicht), sind diese so gut wie überall viel zu homogen. Es fehlen die Strukturen (alte Bäume, Totholz usw.). Dies führt, wie ich oben beschrieb, logischerweise zum Rückgang der Arten und Individuen von Pflanzen, Pilzen und Insekten. Das ist dann logisch, wenn man weiß, wie Ökosysteme funktionieren. Leider wissen das heute viel zu wenig Menschen.

Das Insektensterben hat in den Wäldern bereits begonnen – und wird sich weiter fortsetzen. Man kann dies wissenschaftlich untersuchen und belegen. Man kann es aber auch selbst erkennen, wenn man weiß, wie Ökosysteme funktionieren (hier in diesem Fall das Ökosystem Wald) und dann mit offenen Augen im Wald spazieren geht. Der Strukturverlust ist gravierend und damit nicht zu übersehen.

Das habe ich damit gemeint, als ich oben von der zunehmenden Zerstörung auch der Wälder hier bei uns in Deutschland sprach.

Liebe Grüße
Roland 

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Makronist

Hallo Roland,

danke für deine Ausführungen. Deine (krasse!) Aussage, „dass jetzt aktuell die dortigen Ökosysteme zusammenbrechen“, deckt sich mit meinen laienhaften, aber nur punktuellen Beobachtungen. Eigentlich kein Wunder in einem Land, in welchem gefühlt jeder Quadratmeter wirtschaftlich verwertet wird. Erstaunlich, dass kaum jemand drüber spricht. Oder wiederum auch nicht erstaunlich, wenn man die Prioritätensetzung unserer Spezies betrachtet. Das Zeitalter der großen Krisen hat erst begonnen, am Ende wird es vermutlich heißen: Wer nicht hören will muss fühlen.

Ich habe in den letzten Jahren viel zu diesen Themen gelesen und das, was du schreibst, ist mir durchaus bewusst. Ich habe das zunehmend (auch die Waldflächen) kursiv gesetzt, weil ich wissen wollte, ob du auf neu hinzugekommene Aspekte abzielen wolltest (Windenergieanlagen in Wäldern, Zerschneidung durch Verkehrswege o.ä.…). 

Blöd, dass wir das alles nicht (kurzfristig) ändern können. Außer vielleicht auf dem eigenen Claim. Zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts. Unser Totholz bleibt im Garten, ich schleppe jedes Jahr ein paar neue Stücke hinzu (städtischer Baumschnitt). Nicht ideal, aber vielleicht Brutstätte, Nahrung oder Rückzugsort für ein paar Lebewesen. Und aus dem Bewusstsein der Bedeutung von Totholz heraus lassen wir unseren im letzten Jahr 72jährig gestorbenen Apfelbaum würdig zerfallen. Ab und an prüfe ich die Standsicherheit, wenn es gefährlich wird, werde ich ihn legen, aber liegen lassen. Die Pflanzen können auch drumherum wachsen... .

Liebe Grüße

Ingo

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ADMIN

Hallo Ingo,

ja, Windenergieanlagen, Zerschneidungen durch Verkehrswege und so weiter kommen als das Ökosystem Wald belastende Faktoren hinzu. Der größte Treiber jedoch ist – wie auch in der Landwirtschaft – die "übliche Praxis" der Bewirtschaftung. Hierüber redet keiner, sie findet auf der gesamten Fläche statt! Immer! Aber sie ist trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nicht nachhaltig. Sie geschieht nicht im Einklang mit der Natur. Das hat natürlich über die Jahre gesehen Folgen: Die Arten gehen zurück, die Individuen vieler Arten gehen zurück – und am Ende brechen die Ökosysteme zusammen. Das ist ganz normal. So funktioniert Biologie.

Liebe Grüße

Roland

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