Meine erste Springspinne

Gestern im Wald, auf einem Strauch. Sie war sehr geduldig und tolerierte mehrere Annäherungsversuche.

 

Kommentare

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Hallo hgk201,

Auge in Auge mit einer Springspinne – ein tolles Erlebnis!

Bei diesem Foto fehlen die Exif-Daten. Bitte gebe diese noch an, damit ich bei meiner Besprechung nicht auf Spekulationen angewiesen bin.

Hast Du dieses Foto tatsächlich mit dem Zoom-Objektiv 45-175mm gemacht?

Liebe Grüße

Roland

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ADMIN

Hallo Heinz,

vielen Dank für die weiteren Informationen.

Bei Deinem Springspinnen-Porträt spreche ich zwei Dinge an:

Punktschärfe

Fotografiert man ein Tier, müssen so gut wie immer die Augen scharf sein. Warum? Weil wir Menschen dort als erstes hinschauen. Über den Auge-zu-Auge-Blick nehmen wir Kontakt mit Tieren (wie auch mit anderen Menschen) auf.

Die Schärfeebene liegt oben im Spinnenfoto knapp vor den Augen, auf den sogenannten Pedipalpen. Das sind die beiden haarigen Gebilde zwischen den beiden Vorderbeinen. Damit sind die Augen leicht unscharf.

Hier also immer unbedingt darauf achten, dass die Augen mit in die Schärfeebene rutschen.

Beugungsunschärfe

Über dem gesamten Foto liegt, unabhängig von den Schärfen und Unschärfen, eine latente Unschärfe – also auch auf den eigentlich scharfen Bildbereichen. Dies ist die sogenannte Beugungsunschärfe. Vereinfacht ausgedrückt entsteht sie, wenn die Blende zu klein, also zu stark geschlossen wird. Und hier gilt: Je größer der Abbildungsmaßstab, desto weniger weit darf man die Blende am Objektiv schließen. Dies ist, wie gesagt, vereinfacht ausgedrückt, aber dabei belassen wir es erst einmal...

Nun hast Du das Foto mit einem Zoom-Objektiv, einer vorgeschraubten Nahlinse und mit Blende 11 gemacht. Hast Du zusätzlich einen Zwischenring eingesetzt? Ist das Bild oben ein Bildausschnitt aus dem Original?

Wie dem auch sei, die Vergrößerung, sprich der Abbildungsmaßstab, ist zu groß für Blende 11. Hier greift massiv die Beugungsunschärfe. Du hättest mindestens auf Blende 5,6 öffnen müssen.

Hinzu kommt der Einsatz des Zoom-Objektivs. Dieses Objektiv ist für alle möglichen Anwendungen fotooptisch optimiert worden – nicht aber für den Einsatz im Nahbereich. Hier lassen Schärfeleistung, Brillanz und weitere Faktoren merklich nach. Für solche Einsatzbereiche eignen sich speziell dafür berechnete Makroobjektive, gegebenenfalls bestimmte andere Objektive in Retrostellung – was aber zu anderen Problemen führt wie kurzer Arbeitsabstand und weitere. Der Königsweg führt also über Makro- oder sogar Lupenobjektive.

Vielleicht kannst Du noch etwas zu meinen beiden oben gestellten Fragen sagen (Zwischenring, Bildbeschnitt).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht"

Roland

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Hallo Roland,

 

danke für die ausführliche Kritik.

Zwischenring habe ich keinen verwendet, Bildschnitt um ca 20%.

Das Objektiv habe ich bei den Herren Traumfliegern auf YouTube entdeckt. Es soll mit Nahlinsen entgegen sonstiger Erfahrung gerade mit höheren Blendenzahlen schärfer sein. Deshalb der Versuch mit Blende 11. 

Mit der Raynox 250 kommt man bei 175 mm (wie hier) umgerechnet auf KB auf eine Vergrößerung von ca. 3:1. 

An sich gefallt dieses Objektiv recht gut, weil es die Annäherung bei großer Vergrößerung über Zoomeinsatz komfortabler gestaltet als eine Festbrennweite (für  mich jedenfalls). Alternativ verwende ich das Olympus Zuiko 60 mm 2,8.

Mit der Schärfe auf den Augen hast Du natürlich vollkommen recht. Die „latente Unschärfe“ über dem ganzen Bild ist vielleicht auch der (trotz Blitz) doch relativ langen Belichtungszeit von 1/80 sec geschuldet.

 

herzlichen Dank und viele Grüße

Heinz

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ADMIN

Beugungsunschärfen / Zoomobjektive

Hallo Heinz,

hm, es ist korrekt, dass das Panasonic- 45-175mm ein verhältnismäßig gutes Objektiv ist. Verhältnismäßig!  Das heißt, es ist immer noch ein Zoomobjektiv mit einem recht großen Zoombereich, gerechnet für den "Normaleinsatz". Aber das Phänomen der Beugung ist ein physikalisches, das trickst keine Linse aus, mag sie noch so gut sein. Hineingeführt mit Nahlinse in solch große Maßstäbe wie bei Deinem Spinnenbild, und das bei Blende 11 – sorry, aber da sagt nun mal die Physik NEIN. Schau Dir das Bild an, es spricht die Sprache der Physik. Es zeigt genau das, was ich hier beschreibe: deutliche Beugungsunschärfen. Hinzu kommen die Abstriche eines (knapp Vierfach-)Zoom-Objektivs gegenüber einer Festbrennweite (auch das gilt nahezu generell!) sowie die Hinzunahme einer Nahlinse (zusätzliche Luft-Glas-Flächen).

Übrigens: Die latente Unschärfe hat nichts mit den von Dir oben angesprochenen 1/80s Belichtungszeit zu tun; es handelt sich eindeutig um Beugungsunschärfen.

Ich rate Dir bei solch großen Abbildungsmaßstäben nicht zu dieser Kombination von Zoomobjektiv + Nahlinse + Blende 11.0 – aus oben genannten Gründen. Hierfür gibt es – berechtigterweise – Spezialobjektive sowie andere Techniken, die dieser Kombination weit überlegen sind. Alleine die Blende solltest Du unbedingt in so einem Fall wie oben auf ca. 5.6 öffnen; das wird ein deutliches Mehr an Schärfe bringen – aber natürlich auch weniger Schärfentiefe. Aber so ist das nun mal mit der Fotografie... :-)

Übrigens: Wir haben hier bei Makrotreff Beschnittregeln eingeführt. Sie besagen, dass bitte keine Fotos mit einem stärkeren Beschnitt als 10% eingestellt werden sollen. Beschnitte über diese 10% verfälschen das reine fotografische Ergebnis und lassen keine seriöse Bildbesprechung mehr zu. Näheres hierzu kannst Du in unseren Hinweisen zum Foto-Upload nachlesen.

Liebe Grüße

Roland

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