Blühender Löwenzahn im Oktober – Korrektur: Blühendes Habichtskraut (Hieracium sp.)

Ehrlich gesagt, weiß ich wirklich nicht, ob ich mich über einen blühenden Löwenzahn im Oktober freuen oder den Kopf schütteln soll...

Mainecoon

Kommentare

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MOD

Hallo Mainecoon,

es ist alles nicht mehr normal. Mein Wald liegt nun als Langholz an der Straße.Die Kiefern und Fichten haben schon beim Sturm ordentlich was abbekommen, nun die Trockenheit und massenhaft Borkenkäfer.

Schau mal.....

Liebe Grüße

Gabi

 

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ADMIN

Warum sterben die Fichten (Kiefern)?

Hallo Gabi,

sieht furchtbar aus.

Allerdings liegt der erste "Fehler" hier deutlich in der Vergangenheit. Kiefern und insbesondere Fichten stellen in diesen Wäldern, von denen Du sprichst, biologisch gesehen eine sogenannte Fehlbestockung dar. Von Natur aus wären sie in diesen Regionen überhaupt nicht zu finden. Aufgrund der klimatischen Bedingungen sind ihnen hier beispielsweise Buchen, Eichen oder Hainbuchen stark überlegen. Das liegt an deren besserer Konkurrenzfähigkeit auf diesen Standorten. Insbesondere bezüglich Wasser (Trockenheit!) und Standortfestigkeit (Fichten = Flachwurzler – Sturm!) sind sie vor allem der Fichte klar überlegen.

Dies hatte die Natur über viele Jahrtausende erkannt und über den Regulator "Evolution" auch erfolgreich gelenkt. Nur der Mensch meinte, er könne es besser. Er hat diese Gegebenheiten missachtet und Fichten (Kiefern) überall dort hingepflanzt, wo er sie gerne aus wirtschaftlichen Gründen (was sonst?!) haben wollte. Und das war fast überall.

Nun, wo sich das Klima in Richtung Trockenheit und Stürme ändert, sind es natürlich diese Baumarten, die als erstes die Segel streichen – weil sie vorher bereits bezüglich genau dieser Faktoren Schwächen zeigten und deshalb von der Natur hier nicht "zugelassen" wurden. Der Mensch hat somit instabile Wälder geschaffen. Was Du also dort vor Deiner Haustüre siehst, ist nicht nur die Folge eines sich verändernden Klimas, sondern auch des Ergebnis äußerst anfälliger Wälder. Hier kommen also zusätzlich zum Klimawandel auch noch die Folgen früherer menschlicher Ignoranz gegenüber der Natur zum Vorschein.

Fichten beispielsweise kommen von Natur aus (und damit als Ergebnis begründeter evolutiver Lenkung) hier bei uns in Deutschland ausschließlich im Alpenraum (und hier erst ab einer bestimmten Höhe) und auf sehr wenigen Sonderstandorten wie beispielsweise Mooren (v.a. Flachmoore) vor. Hier wird sofort erkennbar, dass diese Standorte sehr wasserreich sind. Warum wohl fühlt sich die Fichte dort wohl? Sicherlich nicht wegen Trockenheit...!

Tja, und der Borkenkäfer tut nur das, was er tun kann: Seine Hauptmalzeit, die Fichte, schwächelt (je nach Borkenkäferart auch die Kiefern – es gibt viele verschiedene Borkenkäferarten), und er setzt sich an den gedeckten Tisch. Er ist also damit nur die Folge der Folge, an deren Anfang menschliche Ignoranz steht.

Interessant: Nach wie vor pflanzen insbesondere viele Waldbauern (also private Waldbesitzer) auf ihren Waldböden Fichten an, die Ignoranz lebt also fort.
Dies liegt meiner Erfahrung nach daran, dass viele Waldbauern (so werden private Waldbesitzer genannte) von Ihrer Denke her Bauern sind. Und Bauern denken – ähnlich wie Politiker – in kurzen Zeiten. Sie denken und fühlen in geschlossenen Wirtschaftskreisläufen von maximal einem Jahr. Das ist der Turnus draußen auf den Feldern: das Feld im Jahresverlauf – wobei zwischen Saat und Ernte bei heutigen Sorten in der Regel nur noch wenige Monate liegen (häufig noch kürzere Abstände). Und so, wie die meisten Politiker nicht über eine Legislaturperiode hinaus denken, bewegen sich viele Bauern auch nur innerhalb ihrer zeitlich getakteten Sichtweise. Da kann es schonmal passieren, dass man Kreisläufe beim Waldwachstum mit Kreisläufen in der Landwirtschaft verwechselt...

Was den Klimawandel und seine Folgen als letztes überlebt, ist die Ignoranz der Menschen.

Liebe Grüße,

Roland

[Übrigens: Borkenkäfer sind super interessante Makromotive – allerdings nicht ganz einfach zu fotografieren.]

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Hallo zusammen,

ich kann die Ausführungen von Roland nur vollumfänglich untermauern, da ich selbst in den 70ger Jahren beruflich in der Forstwirtschaft tätig war, damals waren in Stuttgart große Sturmschäden in vornehmlich Fichtenwäldern mit dem darauf folgenden Borkenkäfer Befall.

Zum Glück hatte die damalige Forstverwaltung die Zeichen der Zeit erkannt und in massivem Umfang Laubgehölze gepflanzt und auch in Kulturen geschützt, im Ergebnis sieht man heute an den Stellen wo diese Fichtenwälder waren gesunde Waldflächen.

Wie Roland richtig darstellt geht es den sogenannten Waldbauern nur um den schnellen Gewinn und nicht darum ein gesundes Waldsystem zu erschaffen, so wie es in Urzeiten funktioniert hatte.

Viele Grüße Sigi

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MOD

Hallo Roland!

Danke für deine Ausführungen, die ich in allen Punkten teile!

Wir werden leider von Lobbyisten regiert und deren Profitgier ist unermesslich groß. Der Mensch selbst zählt schon  lange nicht mehr, Tiere und Natur schon gar nicht. Wir werden verdummt und hinters Licht geführt. Wohin bitte schön soll das  viel gepriesene Wirtschaftswachstum noch führen? Es ist ein Irrweg. Ganz langsam keimt jedoch in einigen Köpfen der Widerstand. Und das tröstet mich etwas. Obwohl, kommt ein Wandel noch rechtzeitig. Ich befürchte, nein.

Hier in der Nähe wird bald ein neues Logistikzentrum gebaut. Auf bestem Ackerboden , der von der Uni Kassel schon seit Jahren zu Forschungszwecken gepflegt wurde, also ökologisch bewirtschaftet. Wieder eine Wunde in die Landschaft gerissen ohne Sinn und Verstand. Denn wer glaubt schon, dass es mit dem Fernverkehr auf Sicht so weitergehen kann. Es geht doch jetzt schon bald nichts mehr.Wieviele Leute finden dort wirklich Arbeit ? Wie sollen wir unser Handeln unseren Enkeln erklären? Jedes Tier ist doch cleverer. Es würde nie seine eigenen Lebensgrundlagen zerstören.

Kinder  haben einen natürlichen Hang zur Natur. Der ist angeboren.Konnte ich bei meinem Enkel (17 Monate) beobachten. Der hat  mit mir Bienen beobachtet und wußte genau, wie er sich verhalten soll .Leider wird das in vielen Fällen abtrainiert und der Geld- und Karrieregedanke implantiert. Nur Geld kann man nicht essen .Das werden wir sicher noch schmerzlich zu spüren bekommen. Was soll`s ! Es gibt ja alles reichlich im Supermarkt! :-(   Sorry, mußte ich jetzt mal rauslassen!

Zurück zu den Fichten ;-) Ich habe bisher noch keinen Borkenkäfer mit dem Makro erwischt. Hast du  einen Tipp, wo ich da am besten suchen soll. Am geschlagenen Holz unter der Rinde ? oder an älteren Stämmen ,die noch im Wald rumliegen

fragt grüßend

Gabi

 

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Hallo Gabi,

zu den bekanntesten Borkenkäfern zählt der Buchdrucker (Ips typographus). Er gehört zu den größeren Arten und ist vorwiegend an Fichten zu finden.

Die beste Zeit, Buchdrucker außerhalb der Baumrinde zu fotografieren, ist im zeitigen Frühjahr, wenn die ersten so richtig wärmenden Sonnenstrahlen kommen (so um die 20 Grad Celsius). Das ist in der Regel Mitte bis Ende April. Dann sind sie am besten auf frisch geschlagenen Fichtenstämmen zu finden, denn die stellen Brutlebensraum für sie dar.

Anschließend kann man ihn das ganze Jahr über in bzw. unter der Rinde von Fichten finden. Sie legen dort ihre Fraßgänge an, an deren Ende die Brut abgelegt wird. Auch hier am besten an liegenden Fichtenstämmen suchen, an denen sie sich durch kleine helle Bohrmehlhäufchen auf der Rinde verraten (Einschlupfloch). Diese Stelle musst Du mit einem Messer öffnen, dass heißt, möglichst großflächig die Rinde entfernen. Auf deren Unterseite findest Du sie dann. Oft hängt die Rinde aber bereits lose auf dem Holz.

Alternativ kannst Du auch schwächende, stehende Fichten nach diesem Bohrmehl absuchen. Sehr interessant sich stehende Fichten, die bei noch grüner Krone große Placken ihrer Rinde abwerfen. Das sind wahre Brutnester hungriger Borkenkäfer – und der Schrecken eines jeden Försters :-).

Lieber Gruß,

Roland

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ADMIN

Hallo Mainecoon,

ich freue mich auch nicht mehr über das in fast allem Medien bejubelte Bade- und Grillwetter Mitte Oktober! Es ist offensichtlich, dass nach wie vor dem Großteil der Homo sapiens-Population der kurzfristige Lustzuwachs wichtiger ist als die schmerzhafte Einsicht, sich einschränken zu müssen.

Übrigens: Dein Foto zeigt keinen Löwenzahn, sondern eine Habichtskraut-Blüte (Hieracium sp.). Insbesondere ihr Zentrum ist anders aufgebaut und so trotz des auf den ersten Blick ähnlichen Eindrucks recht deutlich zu erkennen.

Ich werde den korrekten Namen in den Titel übernehmen.

Lieber Gruß,

Roland

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