Gundermann mit Raynox DCR-250

Hallo Roland, hallo Makrofreunde,

Ihr habt mich hier neugierig gemacht mit dem Raynox DCR-250 und nun ist es in meinem Besitz. ;-) Der erste Versuch heute auf unserer Wiese: "Gundermann" heißen diese kleinen blaublühenden Unkrautpflanzen. Wenn man sich mit dem Makro inkl. der Vorsatzlinse einer dieser kleinen Blüten nähert kommt etwas künstlerisches heraus. ;-) Mit Vollformat ist die Schärfeebene extrem klein, ich werde es beim nächsten Mal mit APS-C versuchen.

Liebe Grüße

Erika

Kommentare

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Erika,

ja, beim Einsatz von Vorsatzlinsen reduziert sich die Schärfentiefe gewaltig. Deshalb arbeite ich damit auch recht selten. Ich habe sie in der Regel "so in der Tasche", wenn ich ohne Makro-Spezialkram unterwegs bin (kommt eigentlich nie vor :-)!), um "im Notfall" bei Bedarf mit einem Nicht-Makroobjektiv in den Nahbereich zu kommen, oder um den Arbeitsbereich eines vorhandenen Makroobjektivs etwas zu vergrößern – auch nur dann, wenn ich dafür dann keine Speziallinsen greifbar habe (kommt ebenfalls eigentlich nie vor :-)!).

Eine Nahlinse ist eben eine Nahlinse, und kein (vollwertiger) Ersatz für Makroobjektive. Die sind im Zweifelsfall die bessere Wahl. Deshalb spreche ich (!) hier bei Makrotreff auch sehr selten von diesen Nahlinsen. Und wenn doch, dann (wenigstens) von Achromaten, so wie beispielsweise die Raynox, da die dann optisch wenigstens gut sind.

Aber mal zu einem anderen Aspekt:

Das fotografische Malen

Du sprichst vom Malen! Das ist natürlich ein sehr interessantes Thema in der Fotografie – auch innerhalb der Makrofotografie. Du hast oben die super schmale Schärfeebene perfekt platziert. Sie liegt exakt auf den Härchen (Du weißt, Haare sind magnetisch". Sie ziehen das Betrachterauge immer an!). Und nun wird die Umgebung wunderbar weich, eben wie gemalt. Das ist künstlerisch sehr reizvoll – und lässt sich noch weiter ausdehnen. Somit finde ich Dein Blütenfoto sehr gelungen – eben auf seine eigene Art.

Für das fotografische Malen sind bestimmte Linsen prädestiniert. Insbesondere sehr alte Objektive mit einer hohen Lichtstärke zeichen bei Offenblendeinsatz häufig ganz individuell. Ich hänge Dir mal ein solches Foto als Beispiel an, das ich vergangene Woche gemacht habe, mit einem ca. 40 Jahre alten Objektiv. Insbesondere seine Art und Weise, den Hintergrund bei Offenblende abzubilden, ist sehr reizvoll.

Wie gesagt: Ein ganz tolles Thema. Vielleicht mache ich dazu mal einen eigenen Workshop... :-)!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Gemeine Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) – Olympus E-M1 Mark II; "Vintage-Optik"; 1/1000 Sek; ISO 200

Profile picture for user Chris Tine

Hallo Roland,

Das ist ein sehr schönes Foto, es gefällt mir. Ich hoffe es ist dir recht, wenn ich dazu kurz etwas schreibe. Ich habe einen Vorschlag. Die dunklen Mitteltöne in Lightroom auf - 20 und die Klarheit auf +15 stellen. Ich meine dann kommen die Farben und Konturen etwas kräftiger raus. Durch das helle bzw. die offene Blende und eine so kurze Verschlusszeit ist alles ziemlich hell. Ich weiß es war sicher so gewollt, aber durch diese kleinen Veränderungen ist es trotzdem noch hell genug und die Farben und Konturen der Pflanzen heben sich besser vom Hintergrund ab. Es ist dann trotzdem noch pastellfarben und zart genug, aber eben eine Nuance kräftiger. Sonst von der Art her ist es wirklich schön.

Liebe Grüße Christine :-)

Profile picture for user Erika P.

Hallo Roland,

danke für Deinen Kommentar! Für mich ist diese Nahlinse eine Alternative zu Zwischenringen, mit denen ich schon ganz gute (z. B. Springspinne) Ergebnisse erzielt habe. Ich habe die Schärfenunterschiede noch nicht ausgetestet, da bin ich mal gespannt.

"Malen" mit der Kamera bzw. mit dem Objektiv ist ein spannendes und letztendlich sehr anspruchsvolles Thema. Bei Workshops würde es dann nicht mehr nur um allgemeingültige Regeln gehen, sondern auch um einen eigenen Stil des Fotografen oder eine Aussage des Bildes. Und daher:

@Christine: Deine Vorschläge zur Bearbeitung des wunderschönen Bildes von Roland würde es "verändern", nicht "verbessern". Genauso gut könnte ich mir vorstellen, die Kontraste noch weiter zu senken und so die Pflanze mit dem Hintergrund mehr zu vereinen, und das sind nur zwei Beispiele für unzählige Möglichkeiten...

ABER: Nach meiner Überzeugung ist es sehr wichtig, erst einmal die handwerkliche Grundlage zu beherrschen, bevor man sich eventuell BEWUSST davon wieder entfernt, um künstlerisch zu arbeiten. Und das ist für mich erst mal ein steiniger Weg... ;-)

Liebe Grüße und ein sonniges Wochenende

Erika

Profile picture for user André (Lichtklicker)

Hallo Erika,

da gebe ich dir im Allgemeinen schon Recht.

Bei Roland ist das etwas anders, da er seine Fotografische Tätigkeit schon lang genug macht. Dass mein Vorschlag keine Verbesserung des Bildes sein soll, sondern ein Veränderungs - Vorschlag habe ich bereits geschrieben. Da Roland seine Fotos auch Verkauft, könnte das ein Vorschlag sein um das Foto eventuell noch als zweite Ausführung (etwas Kräftiger) zu verkaufen. Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten das Foto zu verändern. Ein wärmerer Weißabgleich hatte ich auch in Betracht gezogen. Hierbei muss er aber auf den Hintergrund achten das es dadurch nicht zum Bildrauschen kommt. So ist die Chance größer das die Lizenz öfter von verschiedenen Geschmäcker gekauft wird.

Es war nicht bös gemeint.

Liebe Grüße und ein Dir schönes Wochenende.

Christine

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Erika,

ja, ich sehe das genau so wie Du. Beim Malen mit der Kamera erhält der künstlerische Anteil, der letztendlich in jedem Foto vorhanden ist, einen größeren Stellenwert. Es findet eine Verschiebung vom dokumentarischen Ansatz zum künstlerischen statt, wobei ersterer immer noch einen Platz haben kann; die Übergänge sind fließend. Die künstlerische und auch der emotionelle Komponente – fotografieren, was man fühlt – nehmen deutlich zu.

Doch bei aller künstlerischer Freiheit: Wir hier bei Makrotreff "definieren" diese Freiheit nicht gemäß dem Motto:

Kunst ist, was sich aus Fesseln befreit, also auch jeder Blödsinn.

Jeder sich selbst ernst nehmender Künstler wird wohl für seine Arbeit diese Abgrenzung bestätigen. Und eine logische Konsequenz daraus ist, dass auch innerhalb wachsender künstlerischer Freiheit durchaus klassische Regeln bewusst gehandhabt werden.
Genau hierin liegt der Anspruch vieler Künstler. Hierin begründet liegt der Aspekt, dass viele Künstler hart arbeiten, bis sie dann (vielleicht) mit einem Werkt zufrieden sind. Und hierin liegt unter anderem auch begründet, dass sich Künstler in der Regel in ihrem Leben künstlerisch stark entwickeln.

Damit dürfte eines klar zum Ausdruck kommen: Malen mit der Kamera ist kein leichtes, sondern eher ein schwieriges Feld der Fotografie.

Das wirklich interessante beim Malen mit der Kamera ist die verstärkte Betonung der Emotion im Bild. Und damit ist genau das verstärkt möglich, was Du oben so treffend schreibst: die Ausbildung einer individuellen Handschrift eines Makronisten-Künstlers bzw. einer Makronisten-Künstlerin. Das wäre natürlich ein spannendes, aber auch ein anspruchsvolles Thema bei einem Workshop zu diesem Thema. Meines Erachtens sollte/müsste vorher eindeutig definiert sein, nach welchen Prinzipien bei einem solchen Workshop vorgegangen wird. Diese gälten dann sowohl für den Workshop-Leiter (konsequente Beibehaltung dieser Prinzipien, insbesondere hinsichtlich der Individualität der Teilnehmer) als auch der Workshop-Teilnehmer (Akzeptanz der Prinzipien, insbesondere hinsichtlich des objektiven Anteils beim Malen mit der Kamera).

Ein sehr interessantes Thema!

Nochmals ein paar Gedanken zu Deiner Bildeinstellung (Gundermann-Blüte):

Sie stellt ein tolles Beispiel dar für die Kombination klassischer Regeln und künstlerischer Elemente: Die Blüte selbst befindet sich perfekt und bildwirksam im Goldenen Schnitt, die (minimale) Schärfe liegt genau dort, wo sie hin muss (ausschließlich!), und die extrem geringe Schärfeebene (Viele würden sagen, die zu geringe Schärfeebene) bringt einen ganz tollen künstlerischen Ausdruck ins Bild. Alles zusammen zeigt die Gundermann-Blüte von einer super attraktiven Seite! Dieses Bild vermag in exzellenter Form, der Schönheit der Blüte Ausdruck zu verleihen. Hättest Du bei diesem Beispiel einige klassische Regeln der Kunst nicht berücksichtigt, sähe das Foto ganz anders aus! Ich habe wirklich überlegt, es als TOP-Bild einzuwerten. Und sollte hier ein einziger weiterer User dafür plädieren, tue ich es auch sofort... :-)!!!

Und was stand am Anfang? Eine Überraschung Deinerseits, gepaart mit einer (schlummernden) Skepsis über eine super geringe Schärfentiefer bei Verwendung der Nahlinse.

Tolle Bildeinstellung!

Lieber Gruß,

Roland

Profile picture for user Erika P.

Hallo Roland,

es muss gar nicht noch eingewertet werden, es IST bereits ein Top-Foto! ;-))) Nicht wegen der Qualität, sondern wegen der Wirkung: Das Bild hat zu extrem spannenden Kommentaren geführt! Deine Kommentare platzen fast vor Aussagen, die jede einzeln zu einem eigenen Thread führen könnten. Handwerkliches Können bzw, klassische Regeln und Kunst zum Beispiel... Auch Christines Beitrag mit dem Thema "Kunst verkaufen" ist extrem vielschichtig...

Was das Thema Workshop angeht: Da kann ich Dich nur ermutigen! Ich habe genau so etwas im dreidimensionalen Kunstbereich gemacht und es war unglaublich. Bei den meisten Erwachsenen ist die Kreativität total blockiert. Umso erstaunlicher, welche Energien frei werden, wenn sie wieder zum Vorschein kommt! Inwieweit das an einem Wochenende möglich ist weiß ich nicht, meine Kurse liefen über Wochen und das, was Du oben beschreibst, war offensichtlich: Die individuelle starke Entwicklung, und das nicht nur bei den Teilnehmern, sondern auch bei mir. Als Kursleiter bei jedem Teilnehmer diese Individualität zu erkennen und beim Entwickeln zu unterstützen ist einfach genial. Ganz pragmatisch: Ich habe kursbegleitend Themen und deren Umsetzung aus der Kunstgeschichte und auch zeitgenössisch vorgestellt. Den Teilnehmern habe ich bewusst abstrakte Themen (z. B. Kommunikation, Bewegung, Musik...) gestellt... Alles das wäre bei der Fotografie auch möglich und sehr spannend...

Was das Thema "Zufälle" angeht ist genau das oft zielführend: Ein Foto mit zu wenig Schärfentiefe hätten andere gleich gelöscht, mich hat es aber fasziniert. Also ist irgendetwas an diesem Foto wichtig für mich, und ich habe die Chance, darüber nachzudenken und vielleicht etwas zu entwickeln. Wenn etwas in einem brennt - das ist immer ein Zeichen für Kunst... ;-)

Liebe Grüße

Erika

Profile picture for user André (Lichtklicker)

Sehr geehrte Frau Post,

was Sie zur Kunst und Ihre Rolle als Lehrer schreiben, berührt mich sehr. Ich spüre, dass Sie mit Ihren Schülern sehr feinfühlig umgegangen sind. Gerade in Hinblick auf die Einstufung von Kunst sind schon auch Verletzungen möglich und es gehört von Seiten der Schüler Vertrauen dazu, sich einem Kunstlehrer und seiner Beurteilung "auszuliefern".

Insofern ist es wichtig, dass sich auch der Lehrer dieser Ehre bewusst ist und er sich mit Wertungen wie zum Beispiel "gelbe Suppe" zurückhält. Ebenso ist zweifelhaft, wenn sich ein Lehrer abwertend bei anderen über Teilnehmer äußert (und der arme Teilnehmer das über Email Irrläufer noch mitbekommen sollte). Wenn der Lehrer es tut, zeigt es, dass er selbst mit bestimmten Dingen nicht alleine zurechtkommt und andere mit seinen Problemen belasten muss - er also eher unbeholfen und für Lehrtätigkeiten noch nicht ganz reif ist. Auch das habe ich schon erlebt, leider.

Bei meinen sehr guten Kunstlehrern in der Oberstufe hatte ich das Glück, dass sie mich gefördert haben - und es ist ein großer Segen gewesen. Ich treffe sie zuweilen wieder und stelle heute (Jahrzehnte nach meinem Abitur) fest, dass sie vor allem sehr selbst-reflektiert waren... eine unerlässliche Eigenschaft, wenn man sich ins künstlerische begibt. Bei Ihnen habe ich einen ähnlichen Eindruck und freue mich darüber.

Mit freundlichem Gruß

Kathrin

 

Profile picture for user Erika P.

Liebe Kathrin,

danke für Deine lieben Worte! Ja, Du hast Recht, gerade bei Kunst ist die Verletzlichkeit groß. Ich selbst war ja auch mal "Schüler", ich weiß, was Du meinst.

Ich finde auch die Art und Weise, wie Roland die Bilder hier bespricht, sehr gut. Das ist ein Grund, warum ich dieses Forum mag.

Liebe Grüße

Erika

Profile picture for user André (Lichtklicker)

nun ja,

gelbe Suppe: vielleicht erinnert sich ja der eine oder andere Makronist an einen Löwenzahn mit eingerollten, scharf abgebildeten Narbenschenkel... während die übrigen Blüten im Gelb verschwommen sind...

Ja, Roland gibt sich Mühe... 

Viele Grüße

Kathrin

Neuen Kommentar schreiben

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich angezeigt. Deine Emailadresse ist nötig, um Dich über neue Antworten zu informieren.
CAPTCHA
dieser Test dient dazu den Spam zu verhindern. Wir bitten um Verständnis!