Gefangen im Baumharz

Insekt ( ?) mit Baumharz  verklebt.

Die geschlagenen Stämme lagen am Waldrand und viele solcher Insekten sind mit den ausgetretenen Harztropfen verklebt.

Kommentare

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ADMIN

Hallo Flora1958,

da hast Du eine kleine Tanzfliege (Familie Empididae) erwischt. Die fliegen oft in großer Anzahl im zeitigen Frühjahr umher auf der Suche nach einem Paarungspartner. Dieser Flug erinnert an einen Tanz, daher der Name Tanzfliege. Innerhalb dieser Familie gibt´s eine ganze Menge verschiedene Arten, deren Bestimmung nicht einfach ist, insbesondere nicht anhand eines Fotos.

Ein interessantes Motiv. Warum diese kleine, arme Fliege auf dem Hartztropfen gelandet und damit Anwärterin für eine in Berstein eingeschlossene Fliege in vielen Tausenden von Jahren ist, weiß ich nicht. Jedenfalls kommt Fliege von der klebrigen Harzmasse nicht mehr los. Na ja, vielleicht landet sie ja dafür mal bei irgendeinem Zukunftsmenschen  - sollte es die bis dahin noch geben - in der Vitrine.

Licht:

Die Fliege ist vollkommen ins Schwarz hin abgesoffen. Sie bekommt zu wenig Licht von vorne, entweder wegen zu steilem Sonnenstand (März?) und/oder wegen zu starker Reflexe von den Harztropfen. Egal wie, diese kleine Fliege hätte Licht von vorne benötigt - z.B. in Form von zusätzlich gekonnt eingesetztem Blitzlicht. Und da ist er wieder, der Einsatz des Blitzes bzw. Zangenblitzes in Deinen Händen. Hatten wir schonmal, oder ...?

ISO-Wert:

Bei solch einem Motiv mit Tropfen (Glitzern), scharfen Rändern (Tropfenränder) und insgesamt relativ homogenen Farben ist es wichtig, auf möglichst volle Schärfe und Brillanz zu setzen. Das würde in diesem Fall bedeuten: weg von ISO 800 in Richtung ISO 200, besser ISO 100. Bei einer 1/800 Sek. wäre hier auch tatsächlich noch Spielraum gewesen. Denn unter diesen oben beschriebenen Voraussetzungen wird auch schon durch leicht höhere ISO-Werte das Bild etwas "matschig". Den Unterschied siehst Du deutlich gegenüber Deiner Bildeinstellung "Schwertransport". Die noch höherer ISO-Einstellung (ISO 1250) wirkt sich hier nicht so negativ aus wie beim obigen Harzfoto die ISO 800.

Diese Wirkung muss man sehen - und dann mit der Zeit ein Gefühl dafür bekommen, wann höhere ISO-Werte gut verträglich sind und wann weniger.

Perspektive/Bildaufteilung:

Die tiefe Aufnahme-Perspektive macht das Foto spannend. Eine noch tiefere Positionierung der Fliege hätte zusätzlich noch mehr Tiefe ins Foto gebracht - und damit noch mehr Spannung.

Der unruhigere Vordergrund ist weniger attraktiv als der beruhigtere Hintergrund. Dadurch wäre vom einen etwas weniger, dafür vom anderen etwas mehr im Bild gewesen.

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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MOD

Danke, ja der Blitz fehlt wirklich. Mit dem Iso bin ich mir oft unsicher, jedoch hätte es sicher nicht das 800tel gebraucht für die Zeit. Da bewegt sich nix mehr und kann also nicht unscharf werden. Da hab ich nicht aufgepasst.

Nach dem Blitz hab ich geschaut, der von Canon kostet leider über 800,- Eur. Hab nur noch so eine Schiene gefunden für 2 normale Systemblitze, aber das scheint mir ein wenig frickelig zu sein. Gibt es noch eine andere Lösung?

Ich muß das mal mit meinem Sparschwein klären, ab wann es mich in Aktion treten läßt. :-))) Kann aber auch nicht in seinem Sinne sein, daß meine Bilder schlecht werden. ;-)

Lieben Dank nochmal

Gabi

 

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ADMIN

Hallo Gabi,

jetzt geht´s ans Eingemachte. Jetzt tun wir mal die sprichwörtliche Butter bei die Fische!

Ja, der Canon-Blitz kostet, und kostet, und kostet .....

Aber mal einen Schritt zurück und was Generelles: Wir steigen jetzt in ein super spannendes, aber auch spezielles  Gebiet ein. Das gehört zur Kategorie: Sind da 10 Menschen, haben die 15 Meinungen!!! Und alle haben natürlich Recht, insbesondere immer mehr Recht als die anderen.

Einer von den 10 Menschen bin ich. Ich habe auch so meine Erfahrungen. Und alles, was ich jetzt dazu sage, musst Du auch so einwerten.

Ich gehe, was die Blitzfotografie im Makrobereich anbetrifft, ziemlich eigene Wege - aus mittlerweile 35 Jahren Erfahrung mit dieser Art von Makrofotografie. Ich werde also jetzt mal was darüber erzählen. Also ICH (!) mit MEINER (!) Erfahrung. Das geht nun leider nur etwas egomanisch, bitte lese das auch so :-).

Ich haue jetzt mal ein paar Thesen raus, die Dir vielleicht (hoffentlich) etwas Orientierung geben können. Ich kann diese Thesen hier nicht alle ellenlang begründen, sonst wird das ein Buch (vielleicht schreibe ich mal dazu einen eigenen ausführlichen Artikel hier bei Makrotreff). Detailliert gehe ich immer bei meinen Workshops (Einzelcoachings) darauf ein. Da hat man dann die Zeit, den Raum und die Muße, nicht nur darüber zu reden, sondern auch alles zu zeigen.
Alle Makro-Blitzfotos, die Du hier bei Makrotreff oder auf meiner Website siehst, zeigen diese Techniken in Anwendung.

Legen wir los:

Von Ringblitzen rate ich ab. Sie bringen relativ unnatürliches Licht - auch wenn sie unterschiedlich einstellbar sind, und liefern ringförmige Reflexe beispielsweise in Augen - sehr unnatürlich. Die sind mehr was für Zahnärzte und deren Karies-Motive - in Patienten-Mündern stören solche Reflexe nichts. Nichts für Naturfotografie.

Auch von Zangenblitzen, die in einem Ring untergebracht sind (sehen aus wie Ringblitze, beinhalten aber nur zwei kleine, gegenüberliegende Leuchten), rate ich ab. Die sitzen vorne am Objektiv, sind sperrig, wackeln damit ständig an Büschen und Zweigen, auf denen das Motiv sitzt, und vertreiben es. Nichts für Naturfotografie.

Ich arbeite mit dem Prinzip ZANGENBLITZ.

Ich verwende auch nur selten spezielle Makroblitze! Warum?

Die sind in der Regel sehr schwach "motorisiert". Leitzahlen von 6, 8, 12, oder auch mal 16 sind sehr wenig (hier hat der Canon-Makroblitz löblich mehr Leistung - aber eben auch seinen Preis!). Damit geben die Blitze häufig ihre volle Lichtleistung ab - und das bedeutet volle Leuchtdauer, in der Regel mit 1/1000 Sekunde. Und das ist wiederum sehr lang für sich (vielleicht) bewegende Insekten. Will man also nur tote, starre, gefrostete, schlafende oder sonst wie bewegungsbefreite Tierchen (oder eben Briefmarken oder Münzen) fotografieren, wird man hier klar kommen. Ansonsten eben nicht. Damit - und das wird so gut wie nie kommuniziert - sind solche von den Herstellern häufig speziell für die Naturfotografie angepriesenen und produzierten Makroblitze nur bedingt tauglich für die Naturfotografie. Diese meine (!) Meinung wird viele verwundern bis schocken.

Also, wie soll das Ganze jetzt aussehen?

  • zwei kleine, leistungsstarke Blitze
  • möglichst flache Bauweise der Blitze
  • Blitze sollten im Slave-Modus TTL-steuerbar sein
  • Positionierung der beiden Blitze neben der Kamera, etwas hinter dem Objektiv
  • am besten mit Schiene oder Ring unter der Kamera positionieren

Und fertig ist das Ganze!

Und hier ein Vorschlag zu diesen Einzelteilen, die die Bedingungen erfüllen:

Blitz:
Meike mk320-C

Befestigungsschiene:
Novoflex Duoflashhalter

Beides sind gute, solide Geräte, ich kenne sie. Aber hier gibt´s natürlich auch andere Artikel und Kombinationen.

Mit zweimal Blitz und der Schiene bist Du bei knapp 300,00 Euro. Dann brauchst Du nur noch einen kleinen Masterblitz für Deine Kamera, der die beiden Slave-Blitze auslöst - und fertig ist die Geschichte. Wenig frickeln, möglichst wenig Gewicht, flexibel - und extrem praxistauglich!

Damit hast Du was super schlagfertiges in der Hand. Aber: Das Fotografieren damit ist anders! Hier muss man neu lernen, Schritt für Schritt - um dann in neue Welten vorzudringen :-).

Anmerkung: Ich arbeite, wie gesagt, mit diesem Prinzip. Ich habe allerdings Olympus-Blitze und keine Schiene, sondern einen halb-ovalen Rahmen, auf dem die Blitze sitzen. Aber es ist im Prinzip das Gleiche! Diese Sachen sind austauschbar.

Lieber Gruß,

Roland

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MOD

Na das hört sich doch super an. Ich denke, daß bekomme ich hin in kurzer Zeit. Danke für deine, wie immer, sehr ausführliche Beschreibung.Mit deinem link hab ich das schnell gefunden zum Nachschauen :-) Jetzt kann ich mir das auch vorstellen, wie es aussehen muß.

Schönen Tag noch

LG Gabi

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