Goldener Scheckenfalter in der Morgenstarre

Die Aufnahme entstand im Mai letzten Jahres auf eine Wiese am Kaiserstuhl. Am frühen Morgen waren die Insekten noch fest an ihre nächtliche Schlafstätten geklammert und ich konnte einen Stack von ca.40 Bildern anfertigen. Die Bilder wurden mit Helicon-Focus in der Testversion überlagert. Wie gefällt euch das Ergebnis?

Viele Grüße

André 

Kommentare

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ADMIN

Focus Stacking

Hallo André,

ein technisch sehr gut gelungener Focus Stack. Der hinterste Bereich hinten auf den Flügeln ist zwar von den Schärfeebenen nicht mehr erfasst worden (und damit leicht unscharf). Aber es stellt sich ohnehin die Frage, inwieweit ein Hauptmotiv (hier der Falter) durchgängig von vorne bis hinten scharf sein soll/muss. Eine solche durchgängige Schärfe lässt ein Motiv schnell statisch wirken.

So gut und sinnvoll die Focus Stacking-Technik sein kann – schließlich können mit ihr Aufnahmen gemacht werden, die ohne sie nicht möglich sind – sollte man sich bei ihrem Einsatz stets darüber im Klaren sein, dass man auf eines der wichtigsten Kreativ-Werkzeuge der Fotografie starken Einfluss nimmt, gegebenenfalls sogar ganz verzichtet: das Spiel mit den Unschärfen. Bei dem Foto des schlafenden Scheckenfalters besteht dieses Spiel aus zwei Zuständen: ein scharfer Bereich (der gesamte Falter), ein unscharfer Bereich gleichbleibender Unschärfe (der Hintergrund). Dokumentarisch handelt es sich um eine hervorragende Aufnahme, künstlerisch eher um eine statische.

Bitte siehe meine Anmerkungen nicht als Kritik, sondern vielmehr als eine neutrale Analyse der Situation. Solange man die Focus Stacking-Methode im Bewusstsein dessen, was ich hier schreibe, einsetzt, wird man gute Bildergebnisse erzielen, die die Berechtigung dieser neuen Technik deutlich zeigen. Dabei kommt es sehr stark auf die Absicht bzw. den beabsichtigen Verwendungszweck der Aufnahme an. Ein Bekannter von mir beispielsweise arbeitet zur Zeit an einem Bestimmungsbuch über eine Insektengruppe. Sein Ziel ist es, möglichst alle fotografisch abgedruckten Tiere komplett durchzustacken, sodass man sämtliche Körperstellen in voller Schärfe betrachten und entsprechend besprechen kann – ein wundervoller und sehr ambitionierter Ansatz! Bei diesem Vorhaben überwiegt somit deutlich der dokumentarische Ansatz.
Übrigens: Ich glaube, er wäre froh, von jedem Insekt einen Stack in so guter Qualität zu erzielen, wie er Dir bei Deinem Scheckenfalterfoto gelungen ist... :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

Profile picture for user Reinhard

Hallo Roland, 

vielen Dank für die Analyse. Nein, ich bin dir gar nicht böse. Du hast Recht und ich sehe es genauso. Das Fokus-Stacking wird leider oft stark missbraucht, um möglichst spektakuläre Bilder zu erzeugen. Technisch gesehen zwar nahezu perfekt und gut für viele "likes". Künstlerisch gesehen, sind die Bilder meist langweilig und sehr steril anzusehen, perfekt als Dokumentation oder zur genauen Begutachtung des Insekts, mehr aber auch nicht. Der Grad zwischen Kunst und Langeweile ist sicher fließend, genauso wie bei der HDR-Fotografie. Ich bin mittlerweile auch wieder etwas davon weggekommen und setze es nur gezielt ein, wo es mir etwas bringt.

Viele Grüße

André

 

PS Bin in Estenfeld aufgewachsen ;-)

Profile picture for user Peter Schmidt
Makronist

Hallo,

hab mich gerade angemeldet, um hier die Bestimmung zu korrigieren.

Der goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) kann das nicht sein:

Da fehlt die gepunktete Reihe auf dem Hinterflügel.

Aufgrund der roten Palpen sollte das Melitaea parthenoides sein.

Dadurch kann nan ihn von den ähnlichen athalia, britomartis und aurelia unterscheiden.

Viele Grüße

Peter

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