Linyphia triangularis – Baldachinspinne – (Artenfrage-Spinnen)

Hallo Roland!

Gestern konnte ich diesen Vorgang beobachten.

Es könnte sich um  Radspinnen handeln, welche ich bei obigem Vorgang beobachtet habe. Nach Annäherung fand zwischen den beiden eine sich wiederholende Übergabe statt. Sie wurde immer wieder unterbrochen durch Bienen, die sich im Netz verfangen hatten, jedoch das Interesse der Spinnen nicht erweckrn konnten. Jedes Mal platzierten sich die Spinnen  um. Dann begann das Spiel von vorne.Wieder Annäherung, wieder Übergabe. Nach einer gewissen Zeit wurde ein gelbgrüner Tropfen sichtbar, der aufgenommen wurde. Danach ging die Übergabe weiter.

Meine Bildqualität ist leider nicht die beste, weil es wehte, das Netz teilweise dazwischen war  und die Positon dauernd wechselte. Sorry!

Frage: Ist das ein Paarungsvorgang und was ist das für ein Tropfen zwischen den Übergaben?

Liebe Grüße

Gabi

Kommentare

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ADMIN

Biologie vom Feinsten – DRANBLEIBEN!

Hallo Gabi,

ich sehe gerade Deine Bildeinstellung der Spinnenfotos. Das ist hochinteressant! Ich arbeite zur Zeit an der gleichen Spinnenart :-)! Klasse Thema!

Ich bin auf dem Sprung raus, vorab aber ein paar wichtige Informationen (Näheres folgt später), damit Du gegebenenfalls die Zeit weiter nutzen kannst. Denn eines ist schonmal klar:

unbedingt dranbleiben!!!

Es handelt sich um eine Baldachinspinne (Linyphiidae), wahrscheinlich um Linyphia triangularis. Es gibt einige weitere, die sehr ähnlich sind, sichere Bestimmung sehr schwierig. Aber ich gehe ab nun davon aus, dass es sich um Linyphia triangularis handelt. Denn es passt ziemlich viel, auch vom Verhalten her.

Du hast das Weibchen zusammen mit dem Männchen fotografiert. Das Männchen ist die schmalere Spinne. Der Tropfen ist wahrscheinlich der Spermatropfen, der übergeben wird – hochinteressant!

Nun ein paar Tipps für das weitere "Dranbleiben":

  • Männchen bleibt in der Regeln längere Zeit beim Weibchen; dieses Ritual wiederholt sich!
     
  • Achte darauf, was das Männchen macht. Es beißt in den Netzteppich ("Baldachin") der Baldachinspinne eine etwa 1 Zentimeter große, ovale Öffnung. Darin webt es ein sogenanntes Spermanetz, in das es den nächsten Spermatropfen hineinlegt, um diesen dann mit den Mundwerkzeugen aufzunehmen. Dann geht´s damit wieder zum Weibchen.
     
  • Mache vom Weibchen zwischendurch immer wieder Fotos, wie es im Netz hängt. Wenn möglich auf Augenhöhe, achte aber hierbei darauf, nicht am Netzteppich zu wackeln oder sogar diesen zu zerstören. Auch volles Gegenlicht ist interessant. Nicht einfach, ergeben aber tolle Fotos! Auch Vintage-Objektive (zusätzlich) lohnen sich!
     
  • Das Weibchen sitzt fast immer mit dem Bauch nach oben im Netz, sodass man nur schwer seine Körperoberseite fotografieren kann. Ergibt sich dennoch die Möglichkeit, mache unbedingt Fotos von Brust und Abdomen (Hinterleib) der Spinne (Rücken- und Abdomenzeichnung). Dies liefert weitere hilfreiche Informationen zur Absicherung der Bestimmung.
     
  • Beobachte das Netz und seine Umgebung bei all den Arbeiten immer ganz genau. Achte auf eine kleine, schwarze Wespe, die dort vielleicht auftaucht. Sie läuft hektisch die Umgebung ab, geht dabei auch immer mal wieder in das Netz hinein! Es ist eine Parasitwespe, die die Baldachinspinne jagt! Sie versucht sie zu finden und zu erbeuten. Hier musst Du genau schauen, diese Wespe ist sehr klein, nur etwa 5-7mm groß! Aber wenn Du weißt, dass so was kommen kann, wirst Du sei auch entdecken, wenn sie da ist.
     
  • Wenn sie auftaucht, lasse alles stehen und liegen, nehme drei Wochen Urlaub und konzentriere Dich fotografische nur noch auf dieses Wespe mit ihrer Jagdstrategie. Das ist der HAMMER! 

Soweit in Kürze alles Wichtige für Dich zum Weiterarbeiten...


Übrigens: Es handelt sich um die gleiche Art, die ich in der MAKROFOTO Spezial– Vintage-Makrofotografie auf der Seite 18/19 abgedruckt habe.

Liebe Grüße

Roland

[Ich füge den Artnamen oben dem Titel bei.]

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MOD

Hallo Roland,

wow, ich versuch`s! :-) Danke für die schnelle Info! Ich bin gestern extra nicht zu dicht ans Netz,um es nicht zu berühren.Leider reißen die Bienen immer wieder Löcher rein. Aber das Netz hat bisher trotzdem gehalten.Beide Spinnen saßen vorhin noch dort. Mal schauen, was geht.;-)

Liebe Grüße

Gabi

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Makronist

Hallo Gabi + Roland,

das ist eine Geschichte nach meinem Geschmack! Gabi, wo hast du die Spinnen denn gefunden? Im Garten? Wenn ich die in dieser Verhaltensphase finden würde, würde ich die Wespe "jagen", weil ich Wespen sowieso toll finde (es gibt ja zahlreiche Arten...).

Ingo

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ADMIN

Hallo Ingo,

die Baldachinspinne Linyphia triangularis kommt in sehr vielen Lebensräumen fast überall in Deutschland recht häufig vor. Du findest Ihre Netze am besten jetzt im "Altweibersommer", früh morgens, taubedeckt, in großer Dichte nebeneinander in knöchel- bis kniehoher Vegetation. Sie kommt auch in Gärten vor – beispielsweise in meinem :-).

Und jetzt im September ist Paarungszeit!

Viel Glück bei Suchen und Finden

Roland

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MOD

Hallo Ingo und Roland,

also, eben kam eine kleine Wespe angeflogen, die das Männchen erst verscheucht hat.Dann hat sie doch ein Loch im Netz gefunden und ist darunter auf den Pflanzenblättern umher gewuselt. Jetzt habe ich sie verloren. Sie war schon ziemlich dicht ans Weibchen gekommen.Ausserdem musste ich einen Moment Pause machen wegen dem Regen.Schade. Außerdem muss ich was mit der Beleuchtung machen. Hab schon ISO 800 und muss die Blende immer weiter öffnen.:-(

Liebe Grüsse

Gabi

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Hallo Gabi,

wieder einmal interessant, was Du beobachtet hast.

Nun stellt sich die Frage, was es für eine Wespe war. Wie sah sie aus?

Ich hänge Dir ein Bild von der kleinen, schwarzen Wespe an, die bei mir gezielt Jagd auf die Baldachinspinne Linyphia triangularis gemacht hat. Wie oben geschrieben, beträgt ihre Größe etwa 6-7mm. Es handelt sich um eine Wegwespe.

Sah die Wespe, die bei Dir auftauchte, so aus?

Liebe Grüße

Roland

Olympus E-M1 Mark II; Olympus Zuiko 2.8/60mm Makro; f/5.0; 1/400s, ISO 640 

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Hallo Roland,

danke für dein Bild. Ich habe sie auch fotografiert.Stelle morgen ein Bild ein.Sie sieht so ein wenig aus, wie die ,die ich damals Im Krokus aufgenommen habe. Dunkel mit spitzem Hinterleib.Schauen wir ob es passt. Auf alle Fälle ist das Spinnenmännchen ihr gefolgt und dann schnell zurück auf seine Position.

Liebe Grüsse

Gabi

 

 

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ADMIN

Hallo Gabi,

vielen Dank für die Einstellung der Fotos.

Die Wespe ist keine Wegwespe. Es dürfte sich um eine Schlupfwespe (Ichneumonidae) handeln – Bestimmung extrem schwer. Ich vermute, dass ihr Erscheinen nicht primär mit der Baldachinspinne in Zusammenhang steht. Aber wenn so eine Wespe auftaucht, heisst das immer: Alarm! Dann unbedingt weiter beobachten, was passiert. Was macht die Wespe? Wie bewegt sie sich? Sucht sie? Will sie ein anderes Tier reizen? Pfeift sie das La Paloma und macht einen auf uninteressiert, während sie sich aber gleichzeitig einem bestimmten potentiellen Beutetier annähert? Da gibt es viele Formen von Verhaltensweisen, die allesamt hoch interessant sind. Es ist nur manchmal gar nicht so einfach für uns Menschen, sie zu verstehen.

Die Wegwespe, die ich am Nest der Baldachinspinne beobachtet habe, ist ein hochspezialisierter Spinnenjäger. Es ist mega interessant, ihr bei ihren ausgefuchsten Jagdstrategien zuzuschauen.

Das Foto von der Spinne zeigt nicht deren Oberseite, sondern es ist vielmehr die Seitenansicht. Dennoch ein sehr schönes Foto!
Es ist gar nicht so einfach, die Spinne tatsächlich von "obendrauf" zu fotografieren, damit vor allem die Hinterleibszeichnung auf dem Hinterleib sichtbar wird. Aber es deutet immer mehr darauf hin, dass es sich tatsächlich um Linyphia triangularis handelt. Auch passt beispielsweise, dass bei ihr im Monat September Paarungszeit ist. Das Verhalten sowie zeitliche Einnischungen im Jahresverlauf spielen bei der Artbestimmung bei Spinnen (wie auch bei Insekten) häufig eine große Rolle.

Ist das Männchen noch da? Es müsste irgendwo in der Nähe des Nestes herumlungern...

Ich werde heute auch wieder mit "Annegret" – so heißt die Linyphia triangularis in meinem Garten – zusammen fotografisch arbeiten :-). Bin gespannt, was dabei so rauskommen wird.

Liebe Grüße

Roland

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Hallo Ingo,

cool. Ich finde, sie sehen meinem Spinnenmädel ziemlich ähnlich. Mal sehen, was der "Spinnenflüsterer" dazu sagt. :-)

September ist ein Spinnenmonat. Da ziehen sich langsam die Pflanzenkräfte  wieder zurück in die Wurzeln  , Herbst eben. Aber wenn wir Glück haben gibt es noch ein paar schöne Tage mit Makromotiven.Sicher noch genug Zeit für`s Spinnenwatching.;-) Ich wünsche dir viel Spaß bei der Beobachtung und bei der "Wespenjagd".

Liebe Grüße

Gabi

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Hallo Ingo,

na, wenn das nicht klasse ist! Da geht der Ingo raus und macht auf Anhieb ein paar tolle Fotos der Baldachinspinne. Ja, das ist definitiv Linyphia triangularis. Ihr unverwechselbares Merkmal ist die schwarze Gabel auf dem sogenannten Prosoma – das ist die Brustoberseite unmittelbar hinter den Augen. Diese Gabel ist auf dem mittleren Foto sehr gut zu erkennen und auch bei der von Dir fotografierten Spinne sehr deutlich ausgeprägt.

Es ist tatsächlich zur Zeit nicht schwer, diese Spinnenart zu finden. Sie gehört wohl zu den zahlenmäßig häufigsten Spinnen bei uns, ist vielleicht sogar DIE häufigste bei uns vorkommende Spinnenart. Und wie ich schon schrieb, hat sie eine sehr weite Verbreitung.

Also, nun ist Dein Auge schonmal angeschärft für diese Baldachinspinne. Du wirst ab jetzt in Deinem restlichen Leben keinen Fuß mehr in die freie Pampa setzten, ohne diese Spinne zu sehen :-). September ist Paarungsmonat, und die Männchen sind da! Manchmal sind mehrere Männchen im Netz einer Dame zu finden; sie rangeln dann um die besten Plätze – wie im Human-Leben auch :-). Das Problem: Die Männchen sind mega klein. Auf dem Foto von Gabi oben ist das Männchen sehr groß. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob es sich bei Gabis Spinne tatsächlich um Linyphia triangularis handelt; deshalb bin ich auch so penetrant bezüglich des Fotos von der Oberseite der Spinne.

Bei "Annegret" – also der Baldachinspinne hier in meinem Garten – ist heute auch ein Männchen aufgetaucht. Das hatte gerade mal 2,5 – 3mm – und war entsprechend schmal. Diese kleinen Kobolde übersieht man total schnell. Ich habe gerade mal ein Foto von seiner Unterseite bekommen – da war es auch schon wieder fort. Ich bleibe dran...

Übrigens: Die Baldachinspinnen – insbesondere Linyphia triangularis, weil sie eine der größten Baldachinspinnen ist – sind auch wunderbare Motive für die Vintage-Makrofotografie. In Verbindung mit dem Netzteppich ergeben sich ganz tolle Strukturen. Und wenn die Sonne noch dazu kommt, geht die Vintage-Post erst richtig ab. Ich setze mal ein Baldachinspinnen-Vintage-Makro in die Galerie ein... :-).

Also:

September-Monat = Baldachin-Monat

Liebe Grüße

Roland

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Hallo Roland,

Ich habe nur noch dieses ungelungene Popobild, welches beim Umrücken passiert ist.Weiter obendrauf bin ich leider nicht gekommen. Meine Spinnen sind alle beide weg.Keine Wegwespe , keine Spinnen, nur Leere * schnief :-) Bleibt nur eines, ein neues "Opfer " suchen. Übrigens habe ich mich über den Namen " Annegret" schlappgelacht. Ist mein Zweitname von meiner Patentante, steht im Perso und läßt sich leider nicht mehr löschen,so`n  Sch..... obergrins.

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Hallo Gabi,

nicht aufgeben. Schaue morgen nach, ob sie wieder da ist. Baldachinspinnen sich ziemlich standorttreu.

Wenn Du sie morgen nicht siehst, kannst Du am Abend mal das alte Netz durch vorsichtiges Ausstreichen entfernen. Damit entfernst Du auch alle alten Essensreste; Baldachinspinnen sind nicht sehr säuberlich :-). Kleiner, aber sehr positiver Nebeneffekt: Bei eventuellen weiteren Fotos ist die Bühne wieder sauber.

Vielleicht spinnt die Baldachinspinne dann über Nacht einen neuen, dann frischen Netzteppich. Spätestens dann weist Du, dass sie immer noch oder wieder da ist.

Taucht sie nicht mehr auf, suche die Umgebung ab. Wie schon öfter hier geschrieben: Diese Baldachinspinne ist sehr häufig. Vielleicht findest Du eine andere – oder die gleiche an anderer Stelle.

Ich bin mir nach wie vor nicht ganz sicher, ob es sich bei Deiner Art um Linyphia triangularis handelt. Wenn sie also wieder auftaucht, oder Du eine andere findest, versuche, das Prosoma (Rückenschild) zu fotografieren. Wenn dort eine Zeichnung ähnlich einer Gabel drauf ist, dann ist sie es. Ich vermute aber, auch diese hier ist schon Linyphia triangularis – bin aber halt nicht sicher.

Ingo ist auch schon aufgesattelt auf den Baldachinspinnen-Zug. Es werden also vielleicht noch ein paar weitere tolle Fotos gezeigt werden. Der September ist noch lang.
Ich experimentiere gerade mit abstrusen Vintage-Objektiven an dieser Spinne, genauer gesagt an Annegret, meiner Mitbewohnerin im Garten. Habe gerade eines eingestellt...

Liebe Grüße

Roland

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