Schmetterling mit Tautropfen

Hallo zusammen,

ich habe mir im Urlaub endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllt, einen Schmetterling mit Tautropfen abzulichten.

Trotz der anhaltenden Hitze und Trockenheit Anfang August, habe ich eine Wiese gefunden, auf der morgens Nebel und damit Tau zu finden war.

Aber ganz ehrlich, das wird nicht meine Art zu fotografieren, nicht wegen des frühen Aufstehen, nein, was mir absolut nicht gefallen hat, ich musst ein paar Meter in die Wiese rein und war in der ständigen Angst eines der bewegungsunfähigen Tierchen von seinem Ruheplatz zu schubsen oder sogar nieder zu trampeln. Zum Glück waren alle anderen Bewohner auf der Wiese schon fit, Fliegen, Bienchen, Grashüpfer... alle schon munter, dass ich zu mindestens da nicht fürchten musste irgendetwas platt zu machen, dass noch bewegungsunfähig weiter unten in der Wiese sitzt.

Und selbst dann, fand ich den Gedanken schon ganz schön fies, einem Tier, das nicht abhauen kann, aber vermutlich gerne würde und sich einfach nur nach Sonne sehnt, so nah zu kommen.

Und nach einer halben Stunde in der nassen, kalten Wiese haben sich nicht nur die kleinen Schmetterlinge nach der Sonne gesehnt.

Was ich allerdings dann wieder total schön fand, war, dass die Tierchen, auch nachdem sie genug Sonne getankt hatten und ganz eindeutig hätten vor mir abhauen können, sich trotzdem weiter in meiner Nähe aufgehalten haben und mir Gelegenheit für weitere Fotos gegeben haben.

Lange Rede kurzer Sinn, auch wenn ich mir mit diesen Fotos einen lang gehegten Wunsch erfüllt habe, blieb das erwartetet Hochgefühl aus und wenn ich in Zukunft doch noch mal solche Fotos machen sollte, dann nur vom "sicheren" Wegesrand aus.

Mich würde interessieren, wie sind eure Erfahrungen, hattet ihr schon mal ein ähnliches Erlebnis, dass ihr euch eine Fotosituation schon lange gewünscht habt, diese sich dann allerdings völlig falsch angefühlt hat. Oder ihr dann sogar auf das Foto verzichtet habt?

Freue mich auf eure Kommentare!

Viele liebe Grüße,

Nicole

PS: Das 1.Bild ist etwas aufgehellt und der Kontrast angepasst, das 2.Bild leicht beschnitten, für beide Aufnahmen habe ich ein Stativ verwendet.

Kommentare

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ADMIN

Insekten in Kältestarre

Hallo Nicole,

ich kann Deine Erfahrung, die Du an Deinem Urlaubsmorgen gemacht hast, und die damit verbundenen Gefühle sehr gut nachvollziehen. Im Gegenteil: Mir geht es genauso bei dieser Art der Fotografie. Du hast es sehr treffend beschrieben. Da sitzen haufenweise unterkühlte Tiere auf Halmen, die sehnsüchtig auf wärmende Sonnenstrahlen warten. Und was auch stimmt: Sie sind bewegungsunfähig.

Nun liest man immer wieder, nur so ginge Insektenfotografie. Das ist wahrhaftig Blödsinn! Abgesehen von den Gefahren für die Tiere, die Du schilderst, sind die Fotoprodukte, die dabei rauskommen, total langweilig. Zugegeben: So ein taubesetztes Insekt sieht erst mal anziehend aus, insbesondere, wenn auch noch die ersten Sonnenstrahlen in den Tautropfen anfangen zu spielen. Aber sehr bald wird es langweilig. Egal, welches Insekt man auf diese Art und Weise fotografiert, ob Falter, Libelle, Wespe oder was weiß ich was, die Bildaussage ist immer die gleiche. Es ist einfach nur langweilig. Und das wird unseren Insekten aber auch sowas von nicht gerecht. Ihre Verhaltensweisen sind so dermaßen vielfältiger als das Aussitzen von Kälte und Nässe!

Diejenigen, die also behaupten, nur so könne man Insekten fotografieren, beschäftigen sich mit ihren Motiven anscheinend nicht. Viele der Benutzer hier auf Makroteff beweisen, dass es auch anders geht. Die Beschäftigung mit den Tieren schafft Nähe, und Nähe ermöglicht tolle und spannende Fotos, und zwar von bewegungsfähigen Tieren. Die Aussagekraft dieser Fotos ist in der Regel wesentlich höher.

Zu Deiner eigentlichen Frage:

Mir ist es schon öfter so gegangen, dass sich ein bestimmtes Motiv, das ich vorhatte zu fotografieren, plötzlich schlecht anfühlte (Du beschreibst auch das sehr treffend!). Früher hatte ich öfters den Fehler begangen, mein Ziel dennoch weiter zu verfolgen – mit dem Ergebnis, dass es sich später noch schlechter anfühlte.

Nachdem ich das bei mir mehrfach beobachtet hatte, verfolgte ich ziemlich konsequent eine andere Strategie: Sobald sich dieses schlechte Gefühl einstellt (und das kommt in der Regel sehr schnell), breche ich sofort ab und orientiere mich um. Und das fühlt sich dann gut und richtig an!

Liebe Grüße,

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

vielen Dank für deine Offenheit.

Ich denke, ich werde diese Erfahrung als Teil meines Lernprozesses verbuchen und in Zukunft mehr auf mein Bauchgefühl "hören".

Makrofotografie ist eindeutig mehr als das Erlernen und Perfektionieren von Technik und Bildgestaltung. Und genau das machst es ja auch so interessant, spannend und abwechslungsreich.

Liebe Grüße,

Nicole

 

 

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